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6 Gründe, warum ich das Fliegen hasse

Ich liebe es, zu reisen. Ich liebe es, unterwegs zu sein. Aber der Prozess des Fliegens treibt mir manchmal die Zornesröte ins Gesicht. 6 Dinge, die ich am Fliegen hasse:

1. Die Warterei, die elende

Am meisten hasse ich die Warterei. Es beginnt schon beim ersten Sicherheitscheck. Bis dahin war – Online Check-in sei Dank, noch alles gut – weil soweit kein Kontakt zu Flughafen-Fluglinienpersonal. Dann aber ringeln sich Menschenschlangen durch die Hallen, von Absperrbändern geleitet. Man steht also aufgefädelt da und kramt routiniert sein durchsichtiges Plastiksackerl aus dem Handgepäck. Längst hat man sich daran gewöhnt, seinen Badezimmerschrankinhalt Wildfremden unter die Nase zu halten. „Ah, sie haben also auch einen Nasenhaartrimmer mit dabei.“ „Nein, nein, das ist eine Zungenspachtel.“ Keine Sorge, die unreine Haut wäre mir auch ohne einen Blick auf die Pickelcreme aufgefallen.
Nach dem Sackerl heißt es Gürtel raus, Jacke ausziehen und, ja bitte der Herr, auch die Schuhe. So oder so, der Striptease dauert. Bei Alten und Wenigreisern umso länger. Jedes Mal will ich dem Weißhaar vor mir ins Hörgerät plarren, denkt der doch offenbar nicht eine Sekunde im vorhinein darüber nach, was hier alles von ihm verlangt wird. „Wie, keine Flüssigkeiten? Was, Kleingeld und Handy aus dem Hosensack? Seit wann denn das?“ Derartig überrascht dauert dann das Neusortieren am anderen Ende des Metalldetektors umso länger. Nachdem ich meinen Gürtel aus der Plastikwanne genommen habe, will ich grantig um mich peitschen, wie Indiana Jones in der Schlangengrube.

2. Die faschistoiden Absperrleitbänder

Zur Klarstellung: Ich bin ein mündiger Bürger, Steuerzahler, Führerscheinbesitzer und Wähler, ich will mir von einem Drecksband nicht vorschreiben lassen, wie ich mich der Sicherheitskontrolle zu nähern habe. 10 Meter Luftlinie bis zur Freiheit werden durch diese Leitbänder zu 10 km Zwangsbolognese. Ich weiß nicht, ob ich der einzige Mensch auf diesem Erdrund bin, aber diese Serpentinen des Todes geben mir den Rest.

3. Die Warterei, die elende – Teil 2

Am Gate heißt es dann weiter warten. Aufs Boarding. Die QR-Code Scanner beim Einlass zum Flugzeugzustiegsrüssel arbeiten so zuverlässig, wie ich Arbeits-E-Mails an einem Freitagnachmittag beantworte. Ohne Aussicht auf Erfolg, sprich Einlass, reibt man sein Handy dann auf dem Lesegerät herum. Im Herzen bereits wissend, dass von Menschhand nachgescannt beziehungsweise eingetippt werden muss – was dauert.
Diese Hürde genommen wähnt man sich schon beim Takeoff. Mitnichten! Im Rüssel dann nämlich wieder Schlange, genauso im Flugzeug. Wenn man sein Karma komplett verwirkt hat – die Katze getreten, den Hund geprügelt – dann gibt es nicht mal den Rüsselstau, sondern gleich die Busanreise zum Flugzeug. Und die dauert manchmal so lange, dass man meint, den Weg zur Wunschdestination gleich ganz am Boden zurücklegen zu müssen.
Grauslicher als das Warten vor dem Abflug ist nur das Warten nach der Landung. Wenn also alle Gurte klicken, die Menschen aus ihren Sitzen aufspringen und das Gepäck aus den Überkopffächern reißen, nur um dann wieder aufgefädelt im Gang zu stehen und zu – richtig – warten bis sich vorne irgendwer bewegt. Während die Business-Class-Sitzer längst draußen sind und ihren Chauffeur angeherrscht haben, die Klimaanlage nicht so kalt einzustellen, beginnt mein Augenlied in Reihe 24 der stickigen Stahlröhre nervös zu zucken.

4. Das Handgepäckstetris

Apropos Reihe 24: Ich hasse es, ins Flugzeug einzusteigen und, weil man sich nicht wie ein Irrer zum Landerüssel bzw. Bus durchgedrängt hat, die Gepäcksablage dann bereits vollgestopft ist. Gut, dann setze ich mich halt drauf, auf meinen Trolly, oder stell ihn zu meinen Füßen, weil dort ohnehin zu viel Platz ist. Besonders lustig wir des dann, wenn man unmittelbar nach der Business-Class sitzt, die dort ansässigen Senatoren aber bereits früher zusteigen durften und mit ihrem Gepäck alles verstopfen konnten. Dann gilt es das Handgepäck weiter hinten zu verstauen. Derweil drängen aber natürlich die Hintensitzer nach und man muss abwarten bis alle sitzen, um nach hoffentlich geglückter Taschen-Tetris-Aktion wieder rasch und vor dem Start in die eigene Sitzreihe nach vorne zu schlüpfen. Und ja, beim Austeigen wiederholt sich dieses Theater. Wieder warten bis alle draußen sind.

5. Die Getränke und Snacks

Ich will nicht über Flughafenpreise lästern. Preise sind in Ordnung, so lange jemand zahlt. So viel zu Nachfrage und Preisbildung. Nun zum Angebot: dieses ist vor allem auf deutschen Flughäfen arg eingeschränkt. Wurst – die Klischeespeise -, Sandwiches und Tankstellen-Snacks. Punkt. Zudem gibt es Flaschenwasser zu Saharapreisen und Heißgetränke, die als Kaffee verkauft werden, im Wienerisch-Wörterbuch aber als Gschloder klassifiziert werden würden.

Noch eine Ergänzung Wasser und Getränken: Ich hasse es, dass im Flugzeug einfach nicht genug zu trinken serviert wird. Nur Fingerhutportionen. Es ist ja nicht so, dass die Luft stickig oder trocken wäre im Stahlvogel. Bei einem Flug aus Addis Abeba konnte ich einst mit letzter Kraft noch ein krächzendes „Wasser“ zwischen meinen Sandpapierlippen herauspressen. Wer nicht verdursten will, bestellt zumindest einen Fingerhut Wasser zusätzlich und nutzt das „Kaffee“- und Teeangebot.

6. Die Schnarcher, Huster und Mitleser

Zu Schnarchern und Hustern will ich nichts sagen. Ich bin da altersmilde geworden. Immer noch ärgerlich zwar, aber dank Noise-Reduction-Ohrhörern erträglich. Bleiben noch die Mitleser. Ja, ich will meine Zeitung, mein Buch alleine lesen. Als Sitznachbar bist zu dieser Lesereise nicht eingeladen. Bitte schau‘ aus dem Fenster! Bitte unterhalte dich mit deinen Kindern! Aber bitte lies nicht bei mir mit.
Als ich diese Zeilen in mein iPad tippte (während ich in Frankfurt auf meinen verspäteten Anschlussflug wartete), liest der Mann neben mir natürlich mit, während er seinen Kaffee schlürft. Und ist Mitgrund, warum ich meinen Hass auf diese Fremdleser hier zum Ausdruck bringe. Als er dann plötzlich erstarrt, schaut, als hätte man ihn bei Handakkrobatik a la Jogi Löw erwischt, um sich dann verschämt seinem Smartphone zu widmen, weiß ich, er hat eben diesen Absatz mitgelesen. Wunderschön, dieser Augenblick!

Ja, wieder hat es sich bewahrheitet: Schreiben schafft Raum, Schreiben hilft. Auch gegen den kleinen Hass beim Fliegen.

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