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Bergzauberei mit Adele

„Ein junger Mann, ein Haufen Stoffe, ein bisschen Gefühl für Farbe und immer der Berg im Kopf.“ Das ist Adele Bergzauber. Der Chefzauberer des kleinen Bergsportmode-Labels aus dem Allgäu: Holger Riedisser. Im Interview plaudert er über seine Näherei, Omas Freundin, Outdoor-Aktivitäten, Europa-Roadtrips und spendable Bierbrauer.

Begonnen, so erzählt man sich, hat alles mit der Wollmützen-Häkelei. Der Hüttenwirt persönlich hat angeleitet und mit Obstlern motivierend nachgeholfen. Aus dem Zauberlehrling wurde ein Häkelmeister.  Erst wurden die Freunde behaubt, dann, 2009, führte die Mascherei ins Netz das man Inter nennt.
Die gerufenen Geister wollten nicht mehr verschwinden. Ein Nähmaschine musste her. Omas altes Gerät wurde entschtaubt. Damit ist es dann so richtig losgegangen mit dem Schneidern und dem Holger. Während eines Norwegen-Aufenthalts werkte er in einer Schneiderei und brachte das Handwerk zur Meisterschaft. Aus dem Norden zurück in Kempten, wurde ab sofort im neuen Atelier geschickt eingefädelt. Holger fand passende Stoffe und konnte seine Ideen verwirklichen.

Holger, erzähl ein wenig über die Entstehungsgeschichte von Adele Bergzauber. Seit wann nähst du Funktionskleidung?

Holger: Ich habe 2008, bevor der Hype so richtig losging, Mützen gehäkelt. Die habe ich auf einer Hütte im Zillertal so gut verkauft, dass ich beschlossen habe, das noch ein bisschen größer aufzuziehen. In den ersten Jahren hab ich sicher 600 Mützen gehäkelt und richtig gut übers Internet verkauft. Zum Nähen kam ich um das Jahr 2010. Adele, die beste Freundin meiner Oma, hat mir damals gezeigt, wie ich eine Nähmaschine einfädle.

Wann und warum hast du dich dazu entschlossen, dich mit Bergsportmode
selbstständig zu machen?

Ich bin schon immer sehr viel in den Bergen unterwegs gewesen. Meinen Hausberg besteig ich oft abends noch, um den Alltag hinter mir zu lassen. So war von Anfang an klar, dass ich Funktionsstoffe verarbeiten möchte. Die Suche hat dann ein wenig gedauert, aber schließlich bin ich in der Schweiz fündig geworden.

Was waren die größten Hindernisse beim Start? Gab es Finanzierungsprobleme?

Der Start erfolgte recht gemächlich. Zu Beginn war ich noch in den letzten Zügen meines Studiums. Das war eine super Zeit, um mit der eigenen Firma zu starten. Dinge wie Krankenversicherung sind günstig und man ist noch ungezwungen und hat keinen Erfolgsdruck.
Finanziell arbeite ich heute nach den „organic growing“-Prinzip: Adele Bergzauber wächst aus sich selbst. Das zwingt dich, gesund zu wachsen und nicht zu euphorisch, in zu frühen Entwicklungsphasen. Die spannende Zeit kommt erst jetzt so richtig. Die nächsten Schritte sind deutlich kapitalintensiver als der Beginn.

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Was hat sich seit den Anfangstagen verändert? Verwendest du heute andere Vertriebswege?

Generell teste ich nicht mehr so viel herum. Vor allem über den Winter besuche ich immer wieder Designmärkte. Adele Bergzauber wird auch mittels Mund zu Mund Propaganda immer bekannter. Mittlerweile haben wir zahlreiche Stammkunden.
Im Sommer 2015 werde ich viele Rad-Events anfahren und dort den Adele Stand aufbauen. Unsere Reise durch Europa hat gezeigt, dass das super passt. Im vergangenen Sommer haben wir vier Monate lang Sportevents in Frankreich, Irland, Schottland, Dänemark und Schweden angefahren und dort ausgestellt. Da gab es sehr viel gute Resonanz!

Werkst du alleine oder stehen mehrere Personen hinter den Nähmaschinen?
Wie groß ist das Adele Bergzauber Team?

Ich werke allein. Das ist eine Frage des Typs, aber ich mag das gern. Lisa hilft viel mit, hat aber ihren eigenen, wichtigen Job. Ganz nebenbei rettet sie da die Welt. Natürlich helfen auch viele Freunde mit und unterstützen beim Standbau, Fotoshooting, bei Buisnessfragen und so weiter. Ohne ein gutes Netzwerk aus Freunden, die ihr Handwerk verstehen, funktioniert so etwas nicht.


„Ohne ein gutes Netzwerk aus Freunden, die ihr Handwerk verstehen, funktioniert so etwas nicht.“


 

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus? Wie viele Stunden arbeitest du an der Nähmaschine? Kümmerst du dich auch um Buchhaltung und Marketing?

Ich sitze rund die Hälfte der Zeit an der Nähmaschine bzw. an den handwerklichen Arbeiten. Buchhaltung gehört natürlich auch dazu, nimmt aber gar nicht allzu viel Zeit in Anspruch. Auch Marketing ist wichtig und braucht viel Raum. Ich genieße es, alle Aufgaben zu übernehmen – das macht den Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich.

Entwirfst du die Prints selbst? Wer ist am kreativen Prozess beteiligt?

Ja, die mach ich selbst. Ich liebe Illustrator! Jene Prints, die auf den Pullovern landen sind aber nur ein kleiner Teil der entworfenen. Ich sortiere viel aus. Lisa ist dabei mein beratendes, zweites Paar Augen. Das macht es definitiv besser, obwohl es hart ist, eine zweite ehrliche Meinung zuzulassen.

Warum ist es dir wichtig, die Stoffe in der Schweiz einzukaufen? Was
sind die Vorzüge der verwendeten Funktionsstoffe?

Die Schweizer Stoffe, die ich verarbeite, sind fair produziert, qualitativ richtig gut und ich fahre nur zwei Stunden zum Hersteller. Bergsportkleidung muss atmungsaktiv, schmutzabweisend, schnell trocknend, elastisch, formstabil usw. sein. Man soll schließlich wirklich Sport damit machen können.

Was sind für dich die größten Vorzüge bzw. die größten Nachteile
selbstständig und dein eigener Chef zu sein?

Echte Nachteile hat es nicht. Viele denken, man arbeitet viel und ohne klare Trennung zum Privatleben, das stimmt zum Teil, aber ich mag das. Man investiert ja all die Energie in sein eigenes Projekt, aus dem man schlussendlich widerum Kraft zieht. Und der klare Vorteil: Wenn dann wirklich guter Schnee liegt, bin ich am Berg!


„Wenn dann wirklich guter Schnee liegt, bin ich am Berg!“



Unterstützt du BergsportlerInnen mit Ausrüstung etc? Gibt

es Adele Bergzauber Testimonials?

Ich habe einige richtig gute Sportler, die für Adele Bilder und Berichte von ihren Abenteuern machen. Z.B. Peter McKenzie, ein Extremskifahrer aus Schottland. Sion, der in der französisch-sprachigen Schweiz lebt und sich immer wieder auf größere Expeditionen begibt. Oder Bastian Hagemann, der ein richtig guter Bike-Bersteiger ist und sich vor allem in den Dolomiten herumtreibt. Von diesen Jungs werde ich immer wieder mit richtig gutem Bildmaterial versorgt. Und ganz nebenbei sind es richtig gute Freunde und viel mit uns unterwegs. (Anm.: wie z.B. am Old Man of Stoer)

Wir haben uns ja schon des Öfteren auf Designmärktein in Österreich
getroffen. Nervt es nicht irgendwann, jedes Wochenende in einer Halle zu stehen?

Wenn viele nette Leute kommen, können es coole Tage sein.

Im Sommer seit ihr durch Europa getourt. Der Roadtrip führte euch durch Schweden, Schottland, Norwegen, Frankreich, usw. Was waren die Highlights des Trips? Und: Gibt es schon neue Pläne den Sommer?

Highlights zu benennen, ist schwer, da gab es echt viele. Auf unserem privaten Blog (feschestwayofmountaineering.jimdo.com) findet man jedenfalls die schönsten Bilder des Trips. Wirklich großartig war, dass wir immer, sobald der Stand aufgebaut war, Teil des Events und irgendwie auch der Region oder des Landes waren. Die Locals waren super offen, haben uns gleich ins Herz geschlossen, uns auf Touren mitgenommen oder beispielsweise Freikarten für die Gondel besorgt. Ein Bierbrauer hat uns total abgefüllt und so weiter. Diese Offenheit würde man als Tourist nicht erleben. Das war richtig cool!
Im kommenden Sommer bleiben wir beruflich gesehen in Deutschland und Österreich. Privat wird es einige Trips geben, diesmal aber nicht so lange.

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In den Bergen zu sein – klettern, tourengehen und biken – scheint jedenfalls eine große Leidenschaft von dir zu sein. Gib mir ein paar Einblicke in deine Hobbies abseits von Adele. Und: Hättest du auch einen Tipp für die beste MTB-Tour im Allgäu?

Meine Lieblingstour im Allgäu: Auf den Altstädterhof und über den Leybachtobel abfahren. Abseits vom Adele-Alltag bin ich viel Telemarken, Biken, Skitouren gehen, Laufen, Bergsteigen, Klettern – in dieser Reihenfolge. Lisas Nummer eins Aktivität ist Klettern. Da ist es immer ein Kräftemessen, was gemacht wird. Oft aber auch einfach alles. Dann gibt es Tage im Frühling, da kann man morgens Skifahren, danach auf einen mittelhohen Berg mit dem Rad und in der Nachmittagssonne an den Fels. Ich glaube das ist meine Lieblingszeit im Jahr.


„Es gibt Tage im Frühling, da kann man morgens Skifahren, danach auf einen mittelhohen Berg mit dem Rad und in der Nachmittagssonne an den Fels. Ich glaube das ist meine Lieblingszeit im Jahr.“



Die Outdoor-Industrie boomte in den vergangenen Jahren. Langsam stagniert

das Wachstum. Wie ist es Adele ergangen und wie siehst du die
zukünftige Entwicklung?

Adele geht es gut. Immer. Vermute ich mal.

Welche Trends siehst du für die kommenden Jahre im Bereich
Bergsportmode?

Vielfältiger wird es. Und technisch wird noch mehr möglich.

In diesem Sinne: Wohin soll die Reise mit Adele gehen? Neue Produkte?

Klar wächst Adele noch. Ich habe viele Ideen. Mal schauen, wie und wann etwas umgesetzt wird.

Und zu guter Letzt: Wann bist du mit Adele wieder in Österreich?

Wir sind relativ sicher am 23. & 24. Mai in Salzburg beim Kunst und Designmarkt und am 25. & 26. Juli beim Lake of Charity in Saalbach.
Und geplant ist am 11. & 12. Juli die Salzkammergut Trophy in Bad Ischl und eine Woche vorher das Bikes & Beats in Saalbach.

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Alle Fotos (c) Adele Bergzauber.

Mehr Infos, Shop usw: www.adele-bergzauber.de

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Ein Kommentar

  1. Hi Doris, danke für das Feedback. Und vor allem fürs treue Lesen! Vielleicht werde ich hier etwas Nachbessern. Derweil hoffe ich einfach auf deine Kommentare. 🙂

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