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6 Fragen an den MTB-Touring Experten: Carsten Schymik

Die Ausgangslage: Pyrenäen-Tour im Spätsommer. Mit dem geschätzten, aber bislang zu sehr geschonten MTB.  Die geschätzte LeserInnenschaft weiß Bescheid. Die Tour mit dem Fahrrad durchs Gebirg wird einige Tage umfassen. Knapp zwei Wochen sind angepeilt.
Bis dato habe ich noch keine derart lange Tour mit dem Bike unternommen. Erfahrungswerte enden wollend. Neben einigen mehrtägigen Vorbereitungstouren im Vorfeld – gerne will ich bereits Ende April die erste Tour starten – will ich eine Abkürzung nehmen und auf den Erfahrungsschatz wahrer MTB-Touring-ExpertInnen zurückgreifen.
In den kommenden Wochen wird es an dieser Stelle deshalb immer wieder 6 Fragen an die  namhaftesten Transalp- und MTB-Touring-Füchse geben.

Den Anfang macht ein Fahrrad-Enthusiast aus Baden Württemberg.  Normal ist langweilig, sein Motto. Er kennt die Alpen wie seine Satteltasche und hat die Gebirgskette wohl öfter überquert als so mancher Zugvogel. Der Mann schreibt Bücher übers Mountianbike-Touring und bietet auf seiner Webseite ausführliche Berichte, Produkttests und Bike-Tagebücher. Die Liste der überquerten Pässe ist eindrucksvoll. 182 – ohne Worte. Leidenschaft: Bikebergsteigen (!). Angekommen.in proudly presents: Carsten Schymik.

Hier Carstens interessante MTB-Touring-Tipps [mit meinen Ergänzungen]:

Mountainbike Touring

Zur Ausstattung des Bergfahrrads:

Ein vollgefedertes All-Mountain Bike mit 140 bis 160 mm Federweg ist sicher die richtige Wahl.
Das Gewicht des Bikes sollte nicht über 14 kg betragen. Eine absenkbare Gabel hilft bei langen Anstiegen.
Auf Singletrail-Abfahrten sind standfeste Scheibenbremsen Pflicht. Hier empfehle ich auf jedem Fall vorne eine 200 mm Scheibe zu montieren.
Praktisch ist ein Flaschenhalter.
Wichtig ist eine solide Bereifung, breite Stollenreifen sind hier die erste Wahl. Auf Abfahrten gewinnt man mehr Grip und Sicherheit, wenn man den Luftdruck in den Reifen reduziert. Tubeless-Reifen erhöhen zudem die Pannensicherheit [wichtig!] erheblich.
Das Gepäck gehört natürlich in den Rucksack, am Bike werden max. Pumpe, Ersatzschlauch und etwas Werkzeug montiert.

Was gilt es bei Vorbereitung auf die Tour zu beachten (Training, Routenplanung, etc.)?

Vorher sollte man unbedingt mal mit der kompletten Ausrüstung eine längere Tour, idealerweise auch über zwei bis drei Tage absolviert haben, um die Ausrüstung, das Bike und auch das Fahrverhalten mit dem Zusatzgepäck erprobt zu haben. [Werde ich jedenfalls machen, siehe Einleitung.]

Bei der Planung sollten für alle Fälle wichtige Punkte entlang der Stecke feststehen. Hütten, Unterkünfte, Werkstätten und in abgelegenen Regionen auch Einkaufsmöglichkeiten und Wasserstellen.

Für schlechtes Wetter oder bei möglichen Defekten sollte man Ausweichrouten oder Abbruchpunkte parat haben. Bei der Routenplanung empfiehlt es sich mehrere Quellen (Karten, Führer, Reiseberichte, GPS Tracks, Internet) zu benutzen und zu vergleichen.
[Ausweichrouten hätte ich behirnt. Abbruchpunkte hingegen neuer Input. Hinsichtlich unerwarteter, unerfreulicher Ereignisse sicherlich zu bedenken.]

Trainieren am besten regelmäßig, optimal auch unter schlechten Bedingungen. Wichtig sind auch Erholungsphasen und bei Biketouren im Gebirge gute Fahrtechnik. Wer hier im Freundeskreis niemanden findet, mit dem man Üben kann, der sollte unbedingt ein spezielles Fahrtechnikseminar besuchen. Das erhöht den Spaß an der Tour und reduziert die Gefahr sich durch Fahrfehler und Stürze zu verletzen.
[Vorallem hinsichtlich Fahrtechnik habe ich in den kommenden Monaten sicherlich noch Aufholbedarf. Kahlenberg & Wienerwald be afraid.]

MTB Tour

Wie navigieren?

Die Navigation per GPS ist heutzutage Standard. Der Komfort der Geräte ist unbestritten. Wer sich im Vorfeld akribisch um die Planung kümmert, kann seinem Track später auf der Tour fast blind vertrauen. Dennoch eine Karte und eine Auflistung der wichtigsten Wegpunkte sowie Telefonnummern gehört auf jeden Fall ins Reisegepäck. Als praktisch haben sich Kopien oder Ausdrucke von Karten erwiesen, die genau den Routenverlauf abbilden. Das erspart unnötiges Gepäck und schont die wertvollen Originale. Zudem gibt es heute viele Karten bereits digital oder online, da ist das Ausdrucken derselben natürlich obligatorisch.

5 Dinge die nicht fehlen dürfen:

  • Taschenmesser
  • Regenjacke
  • Erste Hilfe-Set
  • Fotoapparat
  • Licht für Notfälle

5 Dinge die oft unnötig eingepackt werden:

  • zweites Paar Schuhe
  • zu viel zu Essen
  • Ladegeräte, Unterhaltungselektronik sowie iPad und Smartphone [letzteres werde ich vielleicht dennoch als Navigationsgerät einsetzen. Aber auch zu dieser Thematik bald mehr…]
  • Regenhose
  • zu große Packungen Hygieneartikel (Cremes, Duschgel, Zahnpasta, etc.) und Rasierzeug [Hier muss ich einfach den wasserdichten Klorollenhalter T-Pack von Ortlieb ins Spiel bringen, über den ich unlängst stolpern durfte.]
Biking Mountains

Der Mehrtages-MTB-Tour-Geheimtipp:

Eine Runde durch Graubünden mit Davos, Flims Laax und dem Glarnerland. Start in Landquart, an der Südseite des Prättigau entlang nach Davos, über Arosa Lenzerheide zum Glaspass. Dann durch das Safiental zum Tomülkpass nach Vals. Durch das Rheintal zum Panixerpass und über den Risetenpass zurück nach Sargans. [Schon notiert!]

Danke an Carsten für die super Hinweise und Fotos! (Alle Bilder Copyright Carsten Schymik)

Hast auch du als selbsternannter MTB-Guru großartige Tipps parat? Lass hören!

P.S.: Auf Carstens Blog gibt’s immer wieder super Geschichten zu entdecken. Jüngst etwa die Story von Richard und Nicolas Crane, die vor 29 Jahren mit Mountainbikes auf den höchsten Berg Afrika geklettert sind. Kilimandscharo per Rad, einfach mal reinlesen.

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