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Übers Fischen mit der Fliege

USI-Kurs Fliegenfischen. Opponitz, Fliegenfischerdorf. Matthias, „der Fliegenfischer„, als Lehrmeister. Zweitägige Einführung in die Kunst des – ja, schwer wars nicht mehr – Fischens mit der Fliege.

Tag 1: Wurftechnik, Knoten, Drill, Fliegenmuster. Trockentraining am hiesigen Sportplatz war angesagt. Ich peitsche also mit einem guten Dutzend TeilnehmerInnen und einer ausgeborgten Fliegenrute wild am Grün umher. Und siehe da, stelle mich dabei ganz geschickt an. Lobende Worte der Instruktoren inklusive. Das Privat-Training an der alten Donau hat also doch Spuren hinterlassen. Während der Überkopfwurf sehr passabel funktioniert, will Kollege Rollwurf anfangs nicht so recht von der Hand gehen.

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Zur Wurftechnik beim Fliegenfischen wurden reihenweise Bücher geschrieben und wunderbare Youtube-Tutorials veröffentlicht. Allgemeingültige Grundregeln werde ich an dieser Stelle nicht wiederholen. Für alle FliFi-Novizen gibt’s im Folgenden dennoch  – zumindest für mich – hilfreiche  Tipps und Tricks zur Überkopfwurftechnik:

  • Oberkörper zeigt immer in Wurfrichtung und bleibt unbewegt
  • Handgelenk des Wurfarmes stabil halten – nicht abknicken
  • Bewegungsamplitude beachten – zwischen 11 und 2 Uhr bewegen
  • Stopp bei Vor- und Rückbewegung ist wichtig
  • Rythmus finden, locker bleiben

Zu den Fliegenmustern: Wer einmal einen Blick in einen Produktkatalog geworfen hat, weiß, es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl an Fliegenmustern. Der Rat des Meisterfischers beruhigt jedoch: „Mehr als 5 verschiedene Muster brauchst du nicht.“ Keep it simple, gefällt mir immer. Nachsatz: „Es dauert halt, bis man herausgefunden hat, welche gut funktionieren und welche nicht.“ Tja. Weitere konkrete Hinweise bleiben leider aus.

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Hinweise zum Thema Knoten: Präzise verknoten. Wegstehendes Vorfachmaterial unbedingt unmittelbar beim Knoten abtrennen. Fische sind argwöhnisch, wenn die vermeintliche Beute einen seltsamen Schweif aufweist. Klar eigentlich. Dünne Nylonfäden in der Suppe hielte ich auch für etwas bedenklich.
Knoten testen ist wichtig: Festigkeit und Halt des Knotens per Zug überprüfen. Man will den Fang seines Lebens nicht auf Grund eines schlechten Knotens im letzten Moment verlieren.

Weitere zweckdienliche Hinweise, die mir wichtig erschienen:

  • Der Anhieb (etymologisch interessierte Personen sollten hier wohl hellhörig werden) sollte genauso kräftig sein wie das Abziehen der Schnur von der Wasseroberfläche beim erneuten Auswerfen.
  • Beim Drill ist es wichtig, die Rute stets unter sanfter Spannung zu halten, damit sich der Fisch nicht losreißen kann. Das bedeutet ständig auf die Bewegung des Fisches zu reagieren. Schnur geben und wieder einholen bis der Widerstand am anderen Ende nachlässt und Ermüdung eintritt.
  • Der Naturraum in dem gefischt wird, zeigt, welche Köder funktionieren. Stichwort: Was treibt da alles so rum bzw. ist am Ufer zu finden. Achtsamkeit ist also angebracht.
  • Guter Shortcut: Einheimische Fliegenfischer nach Tipps und Tricks zum langjährig befischten Gewässer fragen.

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Am zweiten Tag geht es dann nach Ausgabe der Ausrüstung endlich ans Gewässer. An die wunderschöne und glasklare Ybbs. Der Meister demonstriert noch schnell sein Können und platziert seine Fliege praktisch am anderen Flussufer. Und das mit einer Eleganz, dass man als Flossenträger schon vor Bewunderung zuschnappen muss. Fliegenfischen ist ein anmutiger Sport vor einer großartigen Naturkulisse. Annahme bei Erstkontakt im Feld sogleich bestätigt.

derfliegenfischerNachdem der Fluss vom Ufer aus nach potentiell guten Stellen abgesucht und die auserwählte Fliege aufgebunden wurde, geht es in Watstiefeln ab in die Fluten. Die Ybbs führt ungewöhnlich viel Wasser. Vorsicht ist also geboten.
Von der vortags so großartigen Technik ist im richtigen Leben – sprich am Gewässer – wenig übrig. Aufgeregt wie am ersten Schultag wird die Fliege überall platziert, nur nicht an den intendierten Stellen. Mach aber nichts, weil trotzdem Spaß. Ich kämpfe mich also in vier Stunden bei herrlichem Wetter durch undurchdringbares Ufergeäst und wilde Stromschnellen und genieße das Rauschen des Wassers und die frühlingsgrüne Vegetation.
Die Trockenfliege nach kurzer Zeit gegen eine Nymphe getauscht, gibt es dann, nach einigen Büschen und Bäumen auch die ersten vorsichtigen Zupfer der offensichtlich doch vorhandenen Kiemenatmer.

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Wie sich im Laufe des Tages herausstellt, bedeutet Fliegenfischen vor allem:
Beobachten.
Genau arbeiten.
Ruhe bewahren.
Geduldig sein.
Natur intensiv erleben.

Zudem kann ich überall auf der Welt der Fliegenfischerei nachgehen und mit meinen weiteren Leidenschaften wie rumbiken und -wandern, schwimmen und kochen verbinden. Und natürlich mit allen Cabin-living-Ambitionen. In Kanada und Neuseeland habe ich mir geschworen, nicht mehr ohne entsprechende Kenntnisse des erweiterten Schnur-ins-Wasser-Haltens an die dortigen Gewässer zurückzukehren. Fernziel Lachsfischen.

In der Zwischenzeit lese ich mich durch die hiesige FliFi-Landschaft. Hierzulande gibt es nämlich auch zahlreiche traumhafte Reviere. Lizenzen sind allerdings leider sehr kostspielig. Gleichsam die gesamte Ausrüstung, welche ich in den kommenden Tagen komplettieren werde. Hier gefällt mir vor allem die Einfachheit des essentiellen Equipments. Rute, Spule, Schnur und Köder. Kaum technischer Schickschnak, man macht alles per Hand. Kurzum: I’m already on the hook.

Und ja, zwei kleine Forellen haben sich dann auch noch auf meinen Haken geworfen. Ein Gruß an dieser Stelle an die zwei Halbwüchsigen, die mir im Rahmen ihrer Mutprobe, auch ein Erfolgserlebnis beschert haben. Petri heil, Stefans Dank.

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fliegenfischen_equpiment opponitz_bruckwirt

watstiefel

Zu guter Letzt noch ein Video-Tipp: Brothers On The Fly. Schön gemachter FliFi-Film.

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