Zum Inhalt springen

Garagenleere

Da war er weg. Zurück blieb der Ball, für den er kurzfristig als Hüter herhalten musste. Bewahrer des Basketballs, als sein letzter Freundschaftsdienst. Ein unsicherer Ort, die Garage. Und unwirtlich.

Hier wohnen Autos, keine Trainingskollegen. Klar eigentlich. Es ist zumeist dunkel. Abgase statt Waldduft. Mehr noch als ein Flughafen nur ein Ort der Durchreise. Tor auf, Auto rein, Mensch raus, Tor zu, Licht ab. Licht an, Mensch rein, Tor auf, Auto raus, Tor zu, Licht ab. Kaum ein Wort wird gesprochen im Souterrain.
Kurz: Meine Garage hat es nicht auf die Liste der lebenswertesten Plätze auf diesem Erdrund geschafft. Unvermittelter kohlenmonoxidinduzierter Tod des, zum Lokalaugenschein extra hierfür angereisten, Jurymitglieds ist defacto auszuschließen. Wiewohl nicht undenkbar. Tut aber nichts zur Sache.

Jedenfalls war es schon umweltbedingt schäbig meinen Bergkameraden dort zurückzulassen. Ohne Sicherung. Free solo, um in der Diktion zu bleiben. Hinter dem Personalkraftwagen hat er Zuflucht gesucht. Im Schutze des – dazumal eigens für ihn angeschafften – Reisegepäcks, welches nun neben ihm an der kalten grauen Garagenwand lehnte. Ja, im Sommer wäre er gerne verreist. Der Flug war bereits gebucht. Er wäre zum allerersten Mal geflogen. Austrian Airlines. Allein: Es sollte nie so weit kommen. Sein Reisepartner konnte nicht. Dabei passte die eigene Vorbereitung. Wie ich weiß, war der Ärger groß. Und die Enttäuschung. Wäre es doch ein denkwürdiger Trip geworden. Das war im August. Der Reisestornierer war ich.

Aber im Herbst wird alles anders. In der nasskalten Jahreszeit war er stets gefragt. Die Hoffnung war also nicht unbegründet. Vielleicht ist eine gemeinsame Tour doch noch möglich, bevor das Ersehnte auf Eis und Schnee davonrutscht. Doch im September: Garage. Und Bauarbeiter. Na immerhin Abwechslung. Ein bisschen Leben. Besuch. Naja – so ehrlich muss man sein – vor allem Staub.  Und der kriecht überall hin. Auch hinters Auto.

Der Ball, der Ball kam am vergangenen Wochenende. Beiläufig abgelegt um die Hände freizubekommen für Billy. Ich habe meinen Kollegen nicht mal eines Blickes gewürdigt. Ball drauf, Billy im Arm, Tür zu, Licht aus.
Dabei kannte ich Ihn seit Jahren. Von Anfang passten wir gut zueinander. Klar, hin und wieder mussten Adaptionen vorgenommen werden. Große Dramen blieben aber aus. Er war einzigartig. Ich kannte ihn in- und auswendig. Wir haben unzählige Stunden miteinander verbracht. Höhen und Tiefen überwunden. Wortwörtlich.

Ich hätte ihn in meiner Wohnung aufnehmen können. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Ihn nicht dieser Umgebung – nicht dieser kalten Welt mit ihren durchhuschenden Nicht-Bewohnern – aussetzen dürfen. Ich bin verdammt wütend. Wäre er einfach so gegangen? Oder war da jemand anderes? Fort, soundso.

Die Autos, die waren da heute früh, aber meine Garage, die war leer.

bike

Share on Google+Tweet about this on TwitterShare on Facebook

3 Kommentare

  1. Oh – verdammt… weg ist es?? Das, was Du beim Naschmarkt damals dabei hattest? Ohne Schloss? 🙁

    • angekommen.in angekommen.in

      Ja, weg. Nö, Gott sei dank nicht Mr. Black, sondern mein MTB. Jede Schraube selber ausgesucht. Und im Endeffekt keine 2000 km gefahren. Aber Versicherung scheint mir den Schaden zu ersetzen – zumindest den materiellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.