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Dem Sitzfleisch zuliebe – ISM PL 1.0 Sattel fürs TCR?

„Wir probieren jetzt mal einen ISM-Sattel“, der Christian Bernhard lies da kürzlich beim Bike-Fitting nicht mit sich reden. Also weg mit dem filigranen, weißen Rennradsattel und rauf auf das zweiarmige Ungetüm. Und was soll ich sagen, Gesäß und Sattel haben sich vertragen, gleich von Anfang an. Auf den ersten Sitz. Also hab ich mir den Sattel mit dem zauberhaft klingendem Namen ISM PL 1.0 zugelegt. Und bin ihn jetzt rund 1.000 km gefahren. Wird der PL 1.0 also mein Sattel der Wahl für die ganz langen Bikepacking-Rennen im kommenden Jahr? Eine Annäherung an das Thema Sattel für Weitfahrer- und LangsitzerInnen.

Worauf sitzen ZeitfahrerInnen?

Das Transcontinetal Race ist nichts anderes als ein wirklich langes Zeitfahren, sagt Josh Ibett. Der Mann hat das Rennen quer durch Europa schon gewonnen, muss also wissen, wovon er spricht.
Und wer fährt wirklich lange in Zeitfahr- bzw. möglichst aerodynamischer Position? Klar, Triathletinnen und Triathleten.  Die besten ihrer Zunft tun das alljährlich bei der WM auf Hawaii. Es lohnt also, sich dort mal umzusehen. Auch weil es vom WM-Rennen praktischerweise traditionell einen Bike-Count gibt. Dabei wird auch erhoben, welches Equipment die Athletinnen und Athleten auf Kona verwenden. Auch die Sättel-Marken werden da erhoben.

Und so hat das in den vergangenen Jahren ausgesehen:

2014 /2015

ISM – 599 / 517
Fi:zi’k – 401 / 454
Specialized – 295 / 244
Cobb – 202 / 181
Selle Italia – 178 / 208
Prologo -71 / 79
Bontrager – 70 / 60
Profile Design – 41 / 40
SMP – 35 / 40
Terry – 29 / 25
Selle San Marco – 18 / 38

2016

ISM – 734
Fi:zi’k – 373
Specialized – 328
Cobb – 267
Bontrager – 140
Selle Italia – 130
Prologo – 83
SMP – 48
Dash – 27
Selle San Marco – 25
Profile Design – 22

Diese Statistiken zeigen wohl deutlich, dass ISM-Sättel nicht die schlechteste Wahl für RadfahrerInnen sind, die lange Zeit in Aeroposition auf ihren Aufliegern verbringen. Oder wie es Christian sehr treffend formuliert: „Schau dir an, wie hässlich die Dinger sind. Wenn eitle Triathleten so einen Sattel auf ihr Bike schrauben, dann muss das Teil tatsächlich etwas können.“

ISM: Wo nichts ist, kann auch nichts drücken!

Was macht die ISM-Sättel also aus? Das Konzept ist simpel: ISM ersetzt die konventionelle Sattelnase durch zwei Spitzen und entlastet so die empfindlichen Weichteile. Und wo nichts ist, kann auch nichts mehr drücken. Eh klar.

Weil die Leute von Triathlon-szene.de Vorzüge und Schwachstellen des ISM-Sattels wunderbar aufgearbeitet haben, hier das Video:

Für 180 Kilometer scheinen ISM-Sättel für das Sitzfleisch derzeit das Maß aller Dinge zu sein. (Und auch der Armstrong Lance hat einen ISM in seiner letzten Saison bei Zeitfahren eingesetzt.)

Aber wie sieht es aus, wenn man knapp zwei Wochen lang praktisch den ganzen Tag auf dem Gerät sitzt?

Was fahren eigentlich die Top-FahrerInnen bei Rennen wie dem TCR?

Christoph Allegaert:  Selle Italia SLR
Josh Ibbett:  Prologo Zero TT-Sattel
Neil Philipps: PRO Condor
Jesse Carlsson: WTB Mountain Bike Sattel
Joe Todd: Selle Italia SMP Composit
Mike Hall: PRO Falcon
James Mark Hayden: ISM

Der gute James dürfte einer der Wenigen gewesen sein, die das Transcontinetal-Race auf einen ISM-Sattel geritten sind. Woran liegt das? Spielt das Gewicht des Sattels, trotz voller Packtaschen etc., für die Herren doch eine Rolle? Liegt es vielleicht daran, dass die ISM-Sättel wortwörtlich doch nicht so reibungslos (Oberschenkelinnenseiten) oder in aufrechter Sitzposition nicht so gut funktionieren?

Der ISM PL 1.0 (m)eine Option für ultra-lange Rennen?

Mein Zwischenfazit nach rund 1.000 Kilometern:

(-) Der ISM PL 1.0 ist noch immer nicht schöner geworden. Besser ständig darauf sitzen, dann fällt es nicht auf.
(-) Der Sattel ist doch recht schwer (ca. 330 Gramm)
(-) und mit über 200 Euro recht teuer.
(o) Mir sind die zwei Arme zu weit auseinander. Kabelbinder verschafft aber tatsächlich Abhilfe (siehe Video oben).
(+) Auch nach langer Zeit am Auflieger kein Taubheitsgefühl oder Druckschmerz. Achtung Newsflash: Aeroposition muss nicht wehtun!
(+) In aufrechter Sitzposition, z.B. am Berg, bisweilen recht angenehm. Ich bin allerdings noch keine lange Berge gefahren, hier gilt es mit einem Urteil noch abzuwarten.
Fazit: Ersteindruck: Der ISM-Sattel passt mit kleinen Anpassungen gut zu Gesäß und Vorhaben. Klar ist: zu mindestens bei ultra-langen Rennen zählt das Sitzfleisch beim Arsch mehr als Style. Ob der PL 1.0 aber tatsächlich der Auserwählte sein wird, soll der Langzeittest weisen.

Welchen Sattel/welche Sättel fahrt ihr? Zweckdienliche hinweise ausdrücklich erwünscht!

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