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Kassaglück

Die Kassiererin bei meinem Zielpunkt ist großartig. Ich habe die junge Frau bereits vor einiger Zeit kennengelernt. Das ist jetzt vier Jahre her. Damals wohnte ich, wie seit ein paar Wochen wieder, in meinem neuen, alten Grätzl am äußersten Rand Wiens. Bereits damals saß sie hinter der Zielpunkt Kassa. Immer mit einem Lächeln im Gesicht, die junge Frau mit dem südländischem Teint. Stets versprühte sie Lebensfreude. Und das in einem Zielpunkt-Markt. Also zwischen orangen Einkaufswagerl, Lebensmittelschachteln und Schirnhoferfeinkost.

Immer nett. Plauderte mit den alten Hofratswitwen, Jausen-Wurstsemmel-Installateuren, Papa-Mercedes-Bubis und mit mir. Zu allen gleichermaßen nett. Also das richtige Nett. Das echte, das ansteckende, das entwaffnende Nett.

Gestern Abend war ich wieder einmal in besagtem Supermarkt ums Eck. Die beste aller Kassiererinnen war wieder im Dienst. Die Kassa strahlte.

Nach einem raschen und ungeplant ausgiebigen Einkauf, reihte ich mich mir dem vollen Wagerl ein. Und siehe da: vor mir wird gescherzt. Dabei mischt sich ein wenig Spanisch ins Wienerische. Eine helle Frauenstimme belebt das Geplänkel. Der Akzent ist weniger geworden über die Jahre, bilde ich mir ein, der natürliche Frohsinn, der ist geblieben. Was für ein Glück!

Die Freundlichkeit vom Kopf der Warteschlange wird scheinbar entgegen der Warenbandberförderungsrichtung auf alle Wartenden verteilt. Keine passiv-aggressive Stimmung in der – das eigene Empfinden natürlich untrüglich – langsamsten aller Warteschlangen. Man nimmt sich wahr – also als Mitmensch, anstatt als zeitraubendes Hindernis. Man redet gar ein paar Wörter miteinander. Verdutzt eine Jede, ein Jeder. Weil man gar nicht mehr geglaubt hat, dass das geht. Einfach so.

Dann bin ich dran. Wie immer richte ich meine Tragetasche im Wagerl her. Ich will die Lebensmittel in einer bestimmten Reihenfolge einräumen. Harte Dinge, unkaputtbar, zuerst. Dann sensibleres Gut. Und so weiter, bis ganz zum Schluss die Eier obendrauf gesetzt werden. Also erst mal rein mit Glasflaschen und Konservendosen.Und dann kommts: Obwohl natürlich hoch komplex dieses Einräumen mit System und ich voll konzentriert, bemerke ich da mit einem Auge, dass die Kassier-Königin die „weichen“ Waren auf die Seite schiebt und mir nur die bevorzugten harten für den Sackerlboden weitergibt. Beim wahrscheinlich 267. Kunden des Tages bemerkt die Dame, wie dieser seinen Einkauf einzuräumen gedenkt. Und sie reagiert auch noch auf diese Verhaltensstörung. Ohne ein Wort zu sagen hilft sie mir. Lächelnd.

Und ich muss sagen, da war ich erstaunt. Darüber, wie gut man seinen Job machen kann. Darüber, mit welcher Hingabe man auch scheinbar bescheidene Tätigkeiten verrichten kann. Darüber, wie es sein kann, dass eine derartig großartige Mitarbeiterin für wenig Lohn Waren über einen Scanner zieht. Darüber, wie froh man im Supermarkt hinter der Kassa sein kann. Darüber, wie sehr man mit seinem Gemüt sogar grantelnde Menschen beim schnellen Abendeinkauf am Nachhauseweg anstecken kann.

Ein freundliches „Auf Wiedersehen“ hat mich dann aus meinem Erstaunen geholt. Und neben Sugo, Joghurt, Eiern (natürlich obenauf) und allerhand anderem Zeug habe ich dann auch noch etwas ohne Strichcode mit Nachhause genommen: Inspiration. Und ein Lächeln.

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Ein Kommentar

  1. Ha! Das hört sich nach spaßigen Einkaufserlebnissen an. Da dürfe es, ganz wie beim Wurstkauf an der Feinkost, generell immer ein bisschen mehr sein!

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