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(S)kia ora – Langlaufen in Neuseeland

Der Sommer scheint sich hierzulande bereits wieder dem Ende zuzuneigen. Kaum werden die Abende kühler, beginne ich reflexartig die Langlaufsaison herbeizusehnen. Ich kann es nicht mehr erwarten meine Skier wieder in den Schnee zu pressen und meinen Körper in der Loipe – vorzugsweise am Wechsel oder in der geliebten Ramsau – zu schinden. Die Sehnsucht nach Ausdauersport in Winterlandschaft und klarkalter Luft wird jedoch auch maßgeblich von Erinnerungen an ein besonderes Langlauferlebnis befeuert.

Ist in Österreich mal Sommer, heißt es andernorts: Loipen frei. Auf der anderen Hälfte der Kugel, die wir Welt nennen. In Neuseeland nämlich. Dass man im Kiwi-Land auch ganz wunderbar dem Cross-Country-Skiing frönen kann, ist nicht gerade Allgemeinwissen. Snowboarden hatte ich im Rahmen meines Neuseelandtrips fest eingeplant, aber Langlaufen, das war eine sehr angenehme Überraschung. In mehrfacher Hinsicht.

Flip-Flops im Winter

Das beschauliche Wanaka liegt auf der Südinsel Neuseelands am gleichnamigen See. Kurz: 6500 Einwohner und „Herr der Ringe“-erprobte Bergumgebung. Die wenigen EinwohnerInnen sind schnell ausgemacht. Verrät doch ihre Kleidung die Kiwi-Herkunft. Eigentlich verrät die zweite Haut der Wanakarianer – und im Grunde aller viereinhalb Millionen NeuseeländerInnen – eines gerade nicht: Wie kalt es nämlich ist. Der Dresscode untenrum: Flipflops und Short. Im Obergeschoß geht es dafür behaubt zu. Beim Spaziergang durch die Ortschaft oder wenn die Touristen ihre Schneesportausrüstung aus den Shops schleppen, ein ungewohntes Bild, die Schlapfenhauben.

Bei einem derartigen, das Leihangebot sondierenden, Besuch in einigen Shops bin ich dann auch auf eine Broschüre gestoßen. Die Folderaufschrift: Snowfarm. Erster Gedanke: Ah, da gibt’s wohl auch einen großen Funpark zum rumshredden. Nein, warte mal, das ist ja… Tatsächlich, ein Loipeneldorado auf einem Hochplateau. (Anmerkung: Den Park zum shredden gab es damals auch noch.)

Snowfarm Experience für alle

„Come and experience Snow Farm, New Zealand’s premier cross-country ski field”, stand da – und mir zuerst das Erstaunen und dann, nachdem der süße Gedanke das Lustzentrum im Vorderhirn passiert hat, ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht geschrieben. Do muss ich hin, do wor i nu nit! Dass der Camper bei der Auffahrt auf die Hochebene leiden wird müssen war mir klar, dass ich darauf keine Rücksicht nehmen werde ebenfalls.

Der Broschüre folgend sollte es oben im Langlaufzentrum – auf den Abbildungen mehr Kleinflughafen als Holzhütte – die Möglichkeit geben, Langlauflatten und anderes notwendiges Equipment auszuborgen. Meine Laufbekleidung hatte ich ja mit dabei, keine Gefahr also, in Snowboardkluft den Hitzetod sterben zu müssen.

langlaufen_neuseeland

Eckdaten Snowfarm:

  • 20km von Wanaka entfernt, geländegängies Auto braucht es trotz Schotterstraßenauffahrt nicht. Scheißt dir nix, passiert dir nix.
  • Über 40km Snowfarm Langlauf-Loipen-Netz.
  • Tageskarte 60$ + 30$ für die Langlaufski (insgesamt also knapp 60 Euro; der Schipass im Treblecone-Resort war da um Lawinen teuerer)
  • Training auf über 1600 Höhenmetern
  • Auch fein fürs Sommertrainingslager – Stichwort Trailrunning (!). 60km Trails für Läufer und Biker. Die Runden lassen sich wunderbar zur gewünschten Ultra-Distanz kombinieren, wenn man es sich richtig besorgen will. Bei meinem nächsten NZ-Besuch – dann im neuseeländischen Sommer – werde ich nochmals mit meinen Laufschuhen vorbeischauen.

Old, young, beginner or expert – we have something for everyone

Ja, auch für den vermutlich ersten Österreicher in jenem neuseeländischen Winter war etwas dabei. Ich hatte jedenfalls meine Freud, auf den gekonnt präparierten Loipen, in knackiger Kälte, meine Runden zu ziehen.

  • Wunderbar präparierte Loipen: Klassik-LäuferInnen oder SkaterInnen, allesamt werden sie auf dem Geläuf der Snowfarm ihr Glück – oder den schnellen Herztot – finden.
  • Atemraubend ist auch der Blick über die verschneite Gipfel ringsum. Weiße, unbewaldete Weiten. Mondlandschaft, die mich an das Dachstein-Plateau erinnerte.
  • Kaum LangläuferInnen unterwegs: Bei meinem Besuch im August, traf ich lediglich auf eine zwei, drei Mitläufer- und innen. Zu sehr verläuft sich sowieso geringe Anzahl an Langläufern. Langgehern auszuweichen ist hier nicht notwendig.
  • Langweiliges Langlaufen? Alternative Aktivitäten: Schneeschuhwandern und Tubing für die auf die Snowfarm Mitgeschleppten.

Summa summarum

Wanakabesuch nur mit einer Stipvisite auf der Snowfarm! Nicht nur für Outdoor- und AusdauersportlerInnen Pflichtprogramm. Und wenn man dann in der geliebten Ramsau wieder einmal von hiesigen, mit riesigen Landlungen gesegneten, Langlaufwundern im Anstieg stehen gelassen wird, kann man sich immerhin damit trösten, schon mal am anderen Ende der Welt langgelaufen zu sein. Zweiter auf der Rittisloipe, aber Erster auf neuseeländischem Schnee.

 

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