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Ötillö Sprint Hvar – Teil 1: Schwimmen, Laufen, Verpflegung, Ausrüstung, Organisation

Do hvar i no nit!, haben wir uns im Herbst des Vorjahres gedacht und uns sogleich angemeldet. Und vor wenigen Tagen am 7. April haben der schnelle Matthias und ich es dann tatsächlich durchgezogen: Wir waren beim Ötillö Swimrun auf der kroatischen Insel Hvar am Start. Genauer gesagt bei der Sprint-Variante. Für uns trainingsgeizende Swimrun-Neulinge gab es dort bei eisigen Wassertemperaturen und zwischen nordischen Halbgöttern so einiges zu lernen. Erkenntnisse die wir – auch aus karmatechnischen Überlegungen – anderen Frischlingen und zukünftigen Swimrun-Starterinnen und Startern nicht vorenthalten wollen.

 

Das Schwimmen…

…oder: Das Meer ist weit und finster – und vor allem kalt.

  • Die Kälte. Ja, in den Vorjahren war das Wetter wilder als heuer. Aber Wassertemperaturen zwischen 12 und 14 Grad waren für uns dennoch klar die größte Herausforderung. Beim 950 Meter langen Schwimmstück wurde es richtig kalt. Und zwar so kalt, dass wir kaum noch Kraft in die dünnen Ärmel und den Armzug bekommen haben. Tipp: wer eher hagerer Läufergestalt ist, lieber noch ein isolierendes Untergewand anlegen. Ein dünnes Neopren-Westi oder dergleichen. Ebenso gescheit: Calves aus Neporen überziehen. Denn vor allem die Beine sind gänzlich unterkühlt nicht gewillt, die gewohnte Power auf den Boden und in den Trail zu bringen. Mit kalten Klumpfüßen kilometerlang über technisch sehr anspruchsvolle – weil grobgeröllig und spitzsteinig rutschig – Felsufer zu “laufen” ist nicht die leichteste Übung aus dem Laufalphabet. Aber dazu später mehr.
  • Die Strömung. Niemals hätten wir damit gerechnet, dass Strömung ein Thema sein könnte. Zwar haben uns Hvar-Finisher davon berichtet, dass im Vorjahr zahlreiche Teams aufgeben mussten weil sie die Strömung beim Schwimmstück von den Teufelsinseln zurück auf die Hauptinsel nicht mehr überwinden konnten und hoffnungslos abgetrieben wurden, aber man muss selbst spüren, um zu wissen. Tatsächlich war die Strömung bereits beim langen Schwimmstück recht anständig. Die Beachflag beim Ausstieg schien einfach nicht näher zu kommen. In Verbindung mit der kältebedingten Kraftlosigkeit eine unfeine Angelegenheit. Obacht ist auch noch auf den letzten der 950 Meter geboten. Dort schwimmt man zwar bereits direkt an den Felsen, aber die Strömung ist derartig stark, dass man nochmals alle Kraft mobilisieren muss, um den Ausstieg zu erreichen. Sowohl beim 950m, als auch beim 520m-Schwimmstück gilt: unbedingt die Strömung berücksichtigen und dementsprechend die Schwimmrichtung wählen. Lieber scheinbar mehr Umweg schwimmen. Vor dem erneuten Sprung ins Eismeer ist es also gescheit, nochmals die Schwimmrichtung zu diskutieren und sich während des Schwimmens gegenseitig zu ermahnen, wenn diese verlassen wird. Wer sich beim Schwimm zurück auf die Hauptinsel – also vor dem langen Traillaufstück – verkalkuliert, verliert massig Zeit im Kampf gegen die Strömung oder muss gar das Rennen beenden, weil er gegen das Meer nicht ankommt.
  • Seeigel und Quallen. Erstere in großer Zahl bei den Ausstiegen, deswegen diese bestenfalls im Vorfeld besichtigen. Und etwa beim Ausstieg im Hafenbecken die Leiter nehmen (oder wie die Pros die Stacheltiere einfach ignorieren). Quallen, oder wie Matthias meinte “Waren eh alles Plastiksackerl, oder?”, gibt es auch ein paar. Glücklicherweise waren diese Tierchen meist ein paar Meter unter der Wasseroberfläche und keiner von uns musste sich wild davor fürchten, Nesseltentakeln zu inhalieren.

Fazit: Besser etwas wärmer kleiden (vor allem die Beine schützen) und gescheit schwimmen, also die Strömung beachten. Generell: Der Bewerb heißt nicht ohne Grund Swim-Run und nicht Run-Swim. Wer nicht gut schwimmt, gewinnt hier nichts. Außer wertvolle Erkenntnisse für das nächste Antreten und einer Lehrstunde in Demut.

 

Das Laufen…

…von Gummibeinen und Geröllhüpferei.

  • Streckenbesichtigung & Steigungen. Die recht kurze Laufstrecke unbedingt vorab besichtigen, also jene Teile, die auf der Hauptinsel liegen. Die Trails sind nicht allzu technisch und es gibt hier ganz ordentliche Steigungen zu überwinden, für durchschnittliche Trailläufer alles keine Hexerei. Gute Läufer können hier voll reinhalten – oder besser gesagt, könnten hier voll reinhalten. Denn – und das war für uns Swimrun-Novizen eine wichtige Erkenntnis – kalte Beine laufen nicht. Es dauert eine Ewigkeit, bis Füße und Beine halbwegs kraftvoll eingesetzt werden können. Mein Geläuf zählte erst nach dem längeren Downhill-Stück vor dem finalen Anstieg zur Festung wieder zu den passabel durchbluteten Extremitäten. Die kurzen Laufstücke über die kleinen Inselchen ließen den Beinen einfach nicht genug Zeit zur Erwärmung.
  • Lauf über Felsen und Geröll. Auf den kleinen Inseln ist an richtig hurtiges Laufen untergrundbedingt (siehe oben) nicht zu denken. Das muss in der Zeitplanung berücksichtigt werden, will man seine Zielzeit halbwegs einschätzen können. Bestenfalls hat man das gämsengleiche Laufen im schweren Gelände bereits im Training geübt.

Fazit: Nichtschwedische Normalos müssen die Wechsel aus kaltem Wasser spezifisch trainieren und versuchen, die Beine beim Schwimmen möglichst warm zu halten. Lauftrainingseinheiten über schwieriges Terrain sind für die Vorbereitung auf Hvar empfehlenswert.

 

Die Verpflegung…

…oder: wer friert, will essen.

  • Vor dem Rennen: In aller Kürze: Carbloading am Vorabend ist kein Schaden. Ein Frühstück vier Stunden und ein weiterer kleiner Snack zwei Stunden vor dem Start auch nicht. Dazu eventuell ein Gel unmittelbar vor dem Startschuss – wenn mans denn verträgt.
  • Während des Rennens: Bei den Verpflegungsstationen gab es Wasser, Elektrolytzeug und Bananen. Keine Roo-Bars (oder mein Gehirn hatte zu wenig Sauerstoff, um diese wahrzunehmen). Es gab auch kein Cola oder ähnliches. Das braune Zuckerwasser hätte ich mir allerdings gerne ins Gesicht geschüttet, um die Lebensgeister wieder zu wecken. Deswegen die dringende Verzehrempfehlung, spätestens nach dem 520m-Schwimm, eher aber schon davor auf der Insel, ein Gel runterzuwürgen. Vor allem wenn der Kreislauf durch die Kälte einfach nicht auf Lauftemperatur kommen will. Zusätzliche Flüssigkeit in einem Quetschfläschen im Neo mitzuführen muss übrigens nicht zwingend sein, außer um besagtes Gel in den Schlund zu bekommen.

 

Die Ausrüstung…

…das Motto: viel hilft, viel.

  • Neopren: Wir hatten mit unseren Orca Core Neoprenanzügen keinerlei Beschwerden. Wären nicht die Scheuerstellen im Genick würde ich sagen: alles reibungslos. Die TeilnehmerInnen sind mit unterschiedlichsten Fabrikaten und Ausführungen an den Start gegangen. Swimrun Neopren-Anzüge der Firma Head sind wohl am häufigsten übergestreift worden. Wie es einige TeilnehmerInnen überlebt haben, mit kurzen Ärmeln zu schwimmen wird mir für immer ein Rätsel bleiben.
  • Schuhe: Unsere Vivobarefoot Primus Swimrun Schuhe waren fein und sowohl auf den rutschigen, als auch auf wackeligen und spitzen Felsen zuverlässig. Ich hatte im Vorfeld allerdings die Schnellschnürung gegen die mitgelieferten Standard-Schnürsenkel getauscht. Erstere hatten sich in Trainingseinheiten immer wieder gelockert. Zusatzinfo: Die Pros hatten bereits den neuen Prototypen dieses Schuhmodells im Einsatz. Mit vielversprechenden Neuerungen: neue Sohle, knöchelhoher Abschluss, zusätzliche Drainage im Obermaterial etc. Man darf gespannt sein, wann Vivobarefoot das neue Modell auf den Markt bringt.
  • Kompressionsstrümpfe: Auch die Strümpfe dienen beim Sprint mehr als Kälteschutz, denn als Unterstützung beim Laufen. Hier haben wir beide auf Kompressionsbeinkleid von Bauerfeind zurückgegriffen. Super Sache, auch dafür eine Empfehlung.

Learnings:

  • Neo-Cap unter der Badehaube tragen.
  • Zusätzliche Schicht unter dem Neo (z.B. Orcas Heatseeker Vest o.ä.); jedenfalls ein Teil aus Neopren verwenden, Tritops aus Textil helfen wärmetechnisch wenig.
  • Neo-Calves um die Beine warmzuhalten. Auch die eiswassergeborenen SkandinavierInnen nutzen diese Wadenwärmer.
  • Größerer Pullbouy: unser roter Speedo-Becken-Beinspreitzer ist für den Swimrun-Einsatz kaum zu gebrauchen. Lieb im Kachelwasser zwar, aber im rauen Freiwasser, eher ein Witz.
  • Paddles: lieber ein bisschen kleiner, als zu groß; wenn Kräfte durch Strömung und Kälte schwinden, will man trotzdem noch halbwegs in der Lage sein, die mickrigen Ärmchen noch irgendwie durchs Wasser zu ziehen. Ob ergonomisch geformt, wie von Speedo oder Head, oder klassische Plastikplatten,  alles wird verwendet, alles funktioniert.

 

Die Organisation…

…warm-kalt, wie die Meeresströmungen.

  • Was gefiel:
    • ausführliche Racer-Info zum Download im Web sowie detaillierte Strecken auf Google Maps im Vorfeld.
    • ordentliche Streckenbeschilderung: Schilder, Fähnchen am Trail, Beachflags bei Ein- und Aussitegen etc.
    • professionelles Wettkampfbriefing (Hinweise zu Strömung, Seeigeln etc.)
    • recht anständige Finisher-Medaille
    • Live-Coverage (des Langdistanzbewerbes) auf der Webseite
  • Was verbesserungswürdig war:
    • Startnummernausgabe inkl. Briefing hätte man bereits am Freitagabend stressfrei erledigen können. Anstatt am Samstagmorgen die StarterInnen herumzuscheuchen.
    • Die in der Racer-Info prognostizierte Siegerzeit bzw. die Zeit für die Schnellsten war um ganze 30 Minuten zu kurz angenommen. Eine realistischere Einschätzung wäre für die Wettkampfeinteilung kein Schaden. Aber nach der Besichtigung und der Info zum schwierigen Geläuf auf den Inseln war uns ohnehin klar, dass die angegebenen 1:30h nicht halten würden.
    • Leider keine Goodies im Starterpaket. Für das Startgeld von 150 Euro pro Team darf da schon ein bisschen mehr im Sackerl sein, als eine Ötilö Badehaube, die Bib und Trinkpulver. 
    • Rahmenprogramm Fehlanzeige (zumindest beim Sprint): Die Stände der Hauptsponsoren waren die meiste Zeit gar nicht besetzt. Die Siegerehrung beim Sprint haben keine 50 Menschen vor Ort mitverfolgt. Dazu wurden recht unwürdige Preise verlost. Erstaunlich, dass die großen Sponsoren hier nicht ein paar feine Goodies haben springen lassen.

 

Das Fazit zum Ötillö Sprint Hvar…

…kalt serviertes Abenteuer vor großartiger Naturkulisse.

  • Naturkulisse: Fünf Sterne für die großartige Umgebung: meeresboden- und seeigelsichtklares Wasser, felsig und mitunter flowige Trails, ehrwürdige Altstadt, Weitblick von der Festung über Hafen und Inselchen. TOP!
  • Meeresschwimm: Das Schwimmen im (kalten!) Meer war für uns Kontinentaleuropäer und Donauplantscher eine völlig neue Erfahrung. Strömungen, Orientierungserschwernis Wellen, Getier etc.
  • SpitzenathletInnen: Eine große Überraschung war das unfassbares Leistungsniveau der Teilnehmer und vor allem der Teilnehmerinnen! Das Feld beim Sprint war gespickt mit Profis, Halbprofis und ehemaligen Weltklasseleuten. Von Triathlon-Kurzdistanz-Age-Group-Weltmeisterinnen, über Triathlonpros bis zu Schwimm-Europameistern war da alles dabei. Wenn man das im Vorfeld nicht weiß bzw. sich nicht kundig macht, macht man sich, ob dieser Erkenntnis, bereits auf den ersten Metern im Hafenbecken  vor Erstaunen ins Neoprenhöschen (was zwar schlecht ist für die Moral, aber wärmetechnisch nicht zu verachten). Kurzum: Die anderen TeilnehmerInnen schwammen mindestens zwei Klassen besser als wir – die Spitzenleute betrieben überhaupt eine andere Sportart, meist war nicht einmal an ein Mitschwimmen im Wasserschatten zu denken – und waren auch im Laufen Maschinen.
  • Fürs erstes Mal: Ja, man kann den Ötillö Sprint auf Hvar durchaus als Swimrun Premiere machen – und dabei viel lernen. Das Ambiente ist grandios und an Vorbildern zwecks erneuter Trainingsmotivation mangelt es auch nicht. In diesem Sinne könnte es gut sein, dass wir im kommenden Jahr wieder kommen. Derweil wird weitertrainiert. Und vielleicht sieht man sich dann ja 2019 vor Ort.

Ganz zum Schluss noch die nackten Fakten:
Endzeit: 2:28:01 (0:23:48 Rückstand auf die Siegerinnen)

In Teil 2 zum Ötillö auf Hvar gibt es noch nützliche Infos zu An- und Abreise, Unterkunft, Essen & Trinken.

 

Hier übrigens der Hauptbewerb zum Nachsehen:

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