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Piran: Schwimmen im Golf von Triest

Wer an Slowenien denkt, hat nicht zuallererst Meer im Sinn. Berge, ja, Wälder, ja, aber Meer? Eher nicht. Aber Obacht, das kleine Land, das im Norden an das sonnenloseste, alpenländische Bundesland grenzt, hat Zugang. Meerzugang, nämlich.
Von fjordastischer Küstenlänge kann nicht die Rede sein, aber immerhin, Slowenien dockt an in der Triester-Bucht und damit am Mittelmeer. Wortwörtlich herausragend aus der slowenischen Adriaküste: Piran. Und dort im alten Piran lässt es sich gut rumschwimmen, im Meer.

Piran – also Altstadt, enge Gassen, Wehrgänge, Hafenpromenade und Tartiniplatz – erstreckt sich auf einer rund einen Kilometer langen, spitz zulaufenden Landzunge in den Golf von Triest. Venezianisch. Apropos Gassen: Die steilen Kopfsteinpflastergassen würden sich auch gut für Bergaufläufe intervalltechnischer Natur eignen, klar. Aber angesichts der Enge und der Touristendichte, habe ich von dieser Trainingsform Abstand genommen. Ungern hätte ich einen keuchenden Leibnitzer Jungvater neben einem Souvenierladen über den Haufen gerannt.

Zu den Touristen: Hauptsächlich ÖsterreicherInnen tummeln sich hier. Klar, für ein verlängertes Wochende am Meer ist Prian vor allem für meine Landsleute aus den südlichen Bundesländern hoch interessant. Rein ins Auto und im Nu ist man am Meer. Als Binnenlandbürger galt natürlich auch meine ungeteilte Aufmerksamkeit dem salzigen Blau. Dort wollte ich einige Freiwasser-Schwimmeinheiten absolvieren.

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Freiwasser-Schwimmerei vor Piran

Eine Morgenschwimmeinheit sollte es sein. Die Vorteile der Trainingseinheit zur frühen Stund:

  1. Keine Badegäste im kühlen Nass, abgesehen von ein paar älteren Damen und Herren aus dem Hotel Piran.
  2. Bewegung vor dem Frühstück, so fängt mein optimaler Tag an. Richtig hungrig zur Lieblingsmahlzeit. Win – Win.
  3. Und ja, auch der Trainingseffekt – Stichwort Fettverbrennung optimieren durch Nüchterntraining – ist nicht zu verachten.

Die Bedingungen: Die Wasserqualität dürfte sehr gut sein, glasklar das Meer, jedenfalls. Im Juni betrug die Wassertemperatur 22-23 Grad. Super Schwimmtemperatur, also.
Der Wellengang war absolut zu vernachlässigen und beim Schwimmen lassen sich wunderbar unzählige Fischchen – und vereinzelt kleine Quallen – beobachten. Jacques Cousteau statt Kachelzähler, das würde ich mir für jedes Schwimmtrainig wünschen.

Empfehlung für die Streckenwahl: Rund um die Landzunge. Also z.B. Start beim Hotel Piran bis zum Strujan-Strand. Immer entlang der Promenade und der zahlreichen betonierten Einstiege. Orientierung stellt somit kein Problem dar und man läuft auch nicht Gefahr, zum Motorbootopfer zu werden.

Open Water Swimming Piran

Wer für den nächsten Triathlon Landstarts trainineren will, wird hier allerdings – klassischer Strand in unmittelbarer Altstadtnähe, Fehlanzeige – nicht fündig. Wasserstart-Simulationen sind also angesagt. Die Trainingseinheit meiner Wahl für dieses Setting:

  • 10 Min. Einschwimmen
  • 10x 20 Sekunden hartes Anschwimmen, gefolgt von 90 lockeren Sekunden. (Nach Gefühl, niemand will ständig durch die Schwimmbrille auf die Uhr starren.)
  • 10 Min. Auswimmen

Die Betonstege der Strandpromenade bieten allerdings die Möglichkeit zur Intervallschwimmerei: Im Abstand von rund 20-25 Meter gibt es hier, am Beginn der Promenade, vier Stege. Fein um einen Überblick über die geschwommene Distanz zu behalten und gewohnte Drills auch im Freiwasser schwimmen zu können. Emfehlung des Hauses:

  • 500m Einschwimmen: 50m Technik-Drills / 50m locker
  • 20x 50m in der höchsten, aufrecht zu erhaltenden Geschwindigkeit.
    10 Sec Pause zwischen den 50ern.
  • 200m Ausschwimmen
  • (Und danach einen Smoothie im Café des Hotel Piran oder Kaffee und Gebäck am Heimweg in die Unterkunft.)

Die härten Einheiten eignen sich eher für die Abendstunden und weniger für das Pre-Frühstück-Training. Auch zu dieser Tageszeit sind kaum Menschen im Wasser. Diese tummeln sich allerdings allesamt auf der Promenade auf der Suche nach einem Tisch für das Abendessen – für ZuschauerInnen ist also gesorgt. Wettkampf-Feeling beim Training, auch nicht schlecht.

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Tipps für Unterkunft und Verpflegung

  • PachaMama: Brandneu, schöne moderne Holzeinrichtung, beste Lage (wiewohl im winzigen Altstadtkern kein Haus weit vom Schuss ist), freundliche Gastgeber. Und: Nach zwei Gehminuten wird es bereits feucht um die Knöchel.
  • Für den kleinen Hunger zwischendurch befinden sich in unmittelbarer Nähe des Pacha Mama ein kleiner Markt (frisches Obst und Gemüse) und eine Bäckerei. Hier sei vor allem ein unesüßstes Topfengebäck zu empfohlen, dessen Name mir leider entfallen ist.
  • Speisekarte für SportlerInnen: Fisch, Fisch, Fisch und Gemüse. Sprich: Low Carb, reichlich Eiweiß, leicht verträglich, hohe Nährstoffdichte.
    Z.B. in den Pavels – ja, wenig kreativ gibt es hier tatsächlich Pavel und Pavel 2 – an der Strandpromenade lässt sich dieser Speiseplan ganz wunderbar verfolgen. Ein freundlicher, locker fünfsprachiger Kellener servierte mir hier den vielleicht besten Meeresfisch, den ich je verspeisen durfte. Tipp: Den Fisch – z.B. Goldbrasse – am besten im Ganzen bestellen – für zwei Personen eine gute Mahlzeit. Mmmhh.

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Piran, wir sehen uns sicherlich wieder!

Mehr zum Slowenien-Roadtrip in Kürze.
Next Stop: Nationalpark!

 

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Ein Kommentar

  1. Klingt alles sehr, sehr fein – schön beschrieben. Wobei ich die Trainingseinheiten in meinem Fall allerdings einfach am besten in Kakao-Tassen umrechne und Dir von der Promenade schlicht und ergreifend zuschaue. Besser so… sonst setzen sich noch Muscheln an mir fest, bei meinem Tempo. 🙂

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