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Roadtrip durch England & Wales

„Hi! Wir holen uns den Aston Martin in der Auslage!“ Ein Späßchen um die Stimmung aufzulockern. Zwischen meinem Lieblingsbruder und mir und dem netten schnauzbärtigen Mann in der Marble Arch-Filiale von Hertz in London. Polnischer Akzent, wie ich als Hobby-Linguist natürlich gleich erkenne habe. Für den zehntägigen Roadtrip durch England und Wales anlässlich der Rugby WM hatten wir uns nämlich einen Wagen bestellt. Einen zum Mieten.

Gebucht haben wird das Auto für die Tour auf der Insel wieder über das gute ÖAMTC Reisebüro – hat ja auch auf Korsika ganz wunderbar geklappt. Wir also am Montagmorgen rein in die rote Subway, raus aus Buckhursthill, rein in die Innenstadt. Vorbei am großen Bogen an der Ecke des Hyde-Parks, durch Little-Levante und rein in die gläserne Niederlassenschaft des besagten Autovermieters.

Der Bruder murmelt etwas von „modernste Autovermietbude ever“, während ich Pass, Führerschein und iPad aus dem gut gefüllten Rucksack zerre und vor dem Schnauzbart ausbreite. Bereit die Schussel für das Gefährt der Ford-Focus-Klasse in Empfang zu nehmen. Der Hertz-Mann sucht im Computer nach unserer Reservierung und wird auch gleich fündig. Der gute Mann hat aber natürlich noch ein halbes Dutzend Alternativautos im Angebot. Größer, Diesel, Automatik, alles zusammen.
Bei Automatik werden wir hellhörig, also vor allem mein Begleiter. Autofahren nicht so die Stärke des besten und schlausten Bruders, muss man wissen. Also Linksverkehr, neues Auto, fremdes Land, kaum Fahrpraxis – da kommt es einem als Fahrer schon gelegen, wenn man nicht auch noch mit Links schalten muss.
So spielen wir also 20 Auto-Varianten durch, nur um letztendlich genau bei der ursprünglich bestellten Variante zu bleiben. Toyota Avensis, weinrot, leider keine Automatik. Auch kein Navi, weil unanständiger Aufpreis. Einerlei, navigiert wird sowieso mit der Karte von Google übers Smartphone. Bereits am Flughafen haben wir eine pre-paid Sim gekauft.

Also Rucksäcke rein in den Kofferaum, auf der richtigen Seite, dort wo das Lenkrad ist, eingestiegen. Raus aus der engen Parkgarage und rein in den dichten Londoner Vormittagsverkehr. Der Bruder wirft sich sogleich einen halben Ziegel Kuchen ein, um die Nerven zu beruhigen. Als Beifahrer hat er stets das Gefühl, dass ich in der Sekunde in parkende Autos, Hausmauern, Verkehrsschilder oder entgegenkommenden LKWs rase. Als Fahrer muss man sich zwingen rechts zu fahren – also nicht ständig im Bankett rumzueiern und Kurven zu schneiden. Kann sein, dass mir das anfänglich nicht so gut gelungen ist.

Wie auch immer, wir schaffen es schließlich raus aus dem Londoner Stadtzentrum. Auf eine sogenannte Autobahn.
Nach 30 Minuten gleich die erste Irritation beim langsam wieder an Gesichtsfarbe gewinnenden Bruder und bei mir. Die erste Autofahr-Erkenntniss auf der Insel:

Roundabouts immerfort

Kreisverkehr, Kreisverkehr, Kreisverkehr. Dazwischen ein maximal ein paar Meilen Fahrt. Zwei- und dreispurig die Verkehrshindernisse. Kreuzungsverweigerer, alle englischen Verkehrsplaner und -Innen. Schnellstraßen garniert mit Kreisverkehren, das war uns unbekannt. Das nervt. Ist aber gut für Bremsscheibenindustrie und Tankstellenbesitzer. Wie viele Kreisverkehre wir in einer Woche passieren mussten, weiß ich nicht mehr. Diese Erinnerung ist weg. Geblieben ist nur das wilde Zucken unter dem Aug, beim Anblick eines Verkehrskreisels. (Amüsantes zur Kreiselei in GB: roundaboutsofbritain.com)

Weitere Erkenntnisse und Tipps:

Parkgaragen nutzen

Wer mit dem Auto in England herum fährt und die großen Städte ansteuert, der muss den Wagen dann auch irgendwo abstellen, um die Stadt per pedes erkunden zu können. Und natürlich will man ins Zentrum, ins Herz der Stadt. Dorthin wo viele Städte ihren Charakter offenbaren. Also immer den Center-Schildern nach. Ob Manchester, Liverpool, Cambridge oder Cardiff überall haben wir schließlich in Parkgaragen, Parkhäusern und bewachten Parkplätzen den Avensis untergestellt. Die Überraschung: Die Preise für einen Tag bzw. für ein paar Stunden waren verhältnismäßig moderat. Am allgemeinen Preisniveau gemessen gar günstiger als in Wien. Beim Roadtrip durch England und Wales also nicht zögern und gleich mitten rein ins Stadtzentrum und quasi in die Garage des Bürgermeisters. Das spart erstens Zeit und zweitens ist der öffentliche Verkehr auch nicht ganz günstig.

Unterwegs im Avensis

Kurzum: Über unseren weinroten Toyota Avensis kann ich nicht meckern – auch weil in tadellosem Zustand in Empfang genommen. Die Fakten: Geräumige Fahrgastzelle, recht großer Kofferraum. Gute Straßenlage. Rückfahrkamera als fancy Extra. Mir eher unheimlich, hat das Bruderherz beim Reversieren nur mehr durchs digitale Guckloch geschielt. Pluspunkt: Mit dem nicht überdimensionierten Avensis findet man auch in verparkten Großstädten ab und an eine Parklücke. Last not least: Verbrauch ganz anständig. Fazit: Für unseren Roadtrip war der Avensis eine gute Wahl.

Fahren & Tanken

Apropos Tanken: Raus aus London richtig Wells-next-the-Sea war der Treibstoff am günstigsten. In der Region um Liverpool und Manchester und dann in Wales wurde der Sprudel immer teurer.
Zum Fahrspaß: Einmal an den Linksverkehr und die Kreisverkehre gewöhnt, kann man sich auch auf die Umgebung konzentrieren. Und siehe da, nette Straßen gibt’s drüben auf der Insel. Vor allem aus London raus Richtung Norden und in Wales. An einer Küste entlang ist ja nie ganz übel. Mitunter recht schmale, kurvige Landstraßen gesäumt von grünen Hecken und rohen Steinmauern, immer wieder durch verschlafene Dörfer. Sicherlich auch mit dem Motorrad amüsant. Googles Landkarte am Smartphone hat zum sporadischen Navigieren gereicht.

Leben aus dem Auto

Jeder, der schon mal auf Roadtrip war weiß, das Gefährt wird zum Lebensmittelpunkt. So war es auch in England und Wales, und mit dem Avensis wieder.
Das Auto als Ladestation für Smartphone, Fotoapparat, GoPro usw. 
Das Auto als Umkleidekabine. Für die Rugby- und Fußballspiele Jacken, Hauben und festeres Schuhwerk ausfassen und anlegen. Nach dem fantastischen Schwimm in der walisischen See – ja im Herbst! -, die sandigen Unterkleider wechseln.
Das Auto als Schlafkoje und Snackstation. Für den Beifahrer, auf unspektakulären Schnellstraßen. Wichtiges Powernapping und Snacks zwischen Stadtbesichtigungen.

Zurückgegeben haben wir das Auto übrigens direkt am Flughafen. Sonnenaufgang auf der Autobahn, nochmals getankt und Müll aus dem Auto rausgeräumt. Von der Hertz-Station wurden wir dann mit einem Shuttle zu unserem Terminal gebracht. Unkompliziert und schmerzlos.

Die Rumfahrerei auf der Insel ist sehr zu empfehlen und hätte nicht besser laufen können.

Obwohl: Nur der Aston Martin-Vergleich macht sicher! Und nach Wales müssen wir sowieso nochmal.

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