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Wilde Berge, ruhige Seen – Outdoor Paradies Nordslowenien

Runter, rüber, rauf. Die Reiseroute für den Roadtrip durchs schöne Slowenien war nach einem kurzen Blick auf die Karte im Nu fixiert. Zwischenstopp in Maribor, dann am nächsten Tag gleich bis runter an die Küste und von dort dann wieder ganz rauf in den Norden. Zum Bleder See, zum Bohinjsko jezero und in den Triglav Nationalpark.

Meiner persönlichen Glücksformel – See, Berg, Wald – folgend war der Nationalpark im Norden Sloweniens klarerweise ein Pflichtstopp für unsere kleine Reisegruppe. Umso mehr, als das diese Region natürlich wie geschaffen ist, für allerlei sportliche Outdoor-Aktivitäten.

Freiwasser-Schwimmen in den Jezeros

Nach einer längeren Autofahrt quer durch Slowenien in Bled angekommen, wurden wir solgeich von Anže Kopitar begrüßt. Die stolzen Bleder Bürgerinnen und Bürger hatten zu Ehren des nach Amerika ausgezogenen Sohnes ein riesiges Transparent über die Haupt- und Durchfahrtsstraße gespannt. Hatte der gute Mann doch unlängst Stanley’s Becher gewonnen. Beim Blick in Anžes Konterfei wird einem dann auch wieder bewusst, dass Eishockey in Slowenien – zumindest in der Seenregion – durchaus eine wichtige Rolle spielt. Ob die ÖsterreicherInnen – oder wenigstens die Badener – dem Vanek Thomas diese Würdigung ebenfalls zu Teil hätten lassen, werden wir wohl nie erfahren.

Ebenso unklar ist, ob Anže jemals zur kleinen Klosterinsel im Bleder See geschwommen ist. Schlittschuhlaufend ist er wahrscheinlich unterwegs gewesen, aber in Badehose? Ich hätte fragen sollen.

Hab ich aber nicht. Viel lieber bin ich selbst geschwommen.
Nach einem Mittagssnack auf der Terasse der Vila Prešeren – die Salate sind durchaus zu empfehlen – mit Blick auf den See, haben wir uns auf die Suche nach einem netten Badestrand gemacht und sind am südlichen Ende des Sees beim Hausstrand von Camping Bled  fündig geworden. Liegewiese, kleiner Supermarkt beim Campingplatz, Imbiss, sogar Liegestühle und Schirme zu mieten.
Doch dank einer, just an diesem Tag durchgeführten, Promi-Ruder-Regatta, war es doch tatsächlich nicht erlaubt zu schwimmen(!). Weshalb ich mich bei einem anderen Einstieg ins wohltemperierte Nass des Bleder Sees wagen musste.  Natürlich mit der Intention eine feine Open Water-Session zu zelebrieren.

Gänzlich unvorbereitet hatte ich keinen Schimmer, wie weit die kleine Insel Blejski otok denn eigentlich vom Ufer entfernt sei. Aber mit triathlonwettkampf-geschultem Auge war gleich klar: „Alles machbar. Ist ja wirklich nicht weit. Los geht’s.“

Und das war sie dann, die Schwimmstrecke:

Lake Bled Swim

Hin und zurück also nur 880 Meter. Nicht gerade episch. Auf der Respect Rating Skala wahrscheinlich eine planschbeckenrunde 0. Aber nichtsdestotrotz eine wunderschöne Schwimmeinheit in klarem Wasser und eindrucksvoller Bergkulisse.
Angekommen am Bootssteg der Blejski otok waren mir jedenfalls die Blicke der Touristen sicher, die dem Reiseführer in ihren Händen folgend, natürlich stilecht mit der Pletna, also im traditionellen Holzruderboot, herbeigeschippert waren. Die zahlreichen Steintreppen hinauf zur Kirche wollte ich dann, trotz stolzgeschwellter Brust, doch nicht antreten, tropfnass und in Badeshorts.
Dringende Empfehlung also, so ein schwimmender Inselbesuch! Und für alle Motivierten: Weiter schwimmen, also von einem anderen Startpunkt oder eine Wiederholung, geht ja immer.

High Intensity Swim im Bohinjsko jezero

Apropos Wiederholung: Natürlich wollte ich auch im Bohinjsko jezero meiner Schwimmlust fröhnen. Da wir in Gehweite zum See Quartier bezogen hatten, hieß es gleich nachdem die Rucksäcke aus dem Kofferaum aufs Zimmer gebracht waren, ab ins Wasser.

Gleich vorweg: Der Bohinjsko jezero ist noch eindrucksvoller als sein kleiner, 20 Autominuten entfernter, Brudern. Der See liegt an den Südabhängen des höchsten Berges Sloweniens, dem Triglav, und ist über 4 km lang und bis zu 45 Meter tief.  Gespeist wird der See von der Savica, die unterhalb der Komarča-Wand im oberen Teil des Seebeckens entspringt. Dieser Zufluss sorgt dafür, dass sich das Seewasser dreimal jährlich erneuert, sagt mir Wikipedia. Seeforellen, Elritze und Seesaibling tummeln sich im glasklaren Wasser, sagte das eigene Auge.
Der Bohinjsko jezero ist jedenfalls ein See, der eine besonders intensive und majestätische Ruhe und Energie ausstrahlt.

Hochmotiviert, badebehaupt und mit Schwimmbrille stand ich da also am Ufer. Bereit für einen wahrlich großartigen Freiwasser-Schwimm. Drei entschlossene Schritte später und Wasserstand Wadenhöhe hatten sich die Schwimmambitionen im 16 Grad kalten Wasser aufgelöst.
Klar war allerdings auch: Ich werde das Nass nicht verlassen, ohne darin ein paar Meter geschwommen zu sein. Also untergetaucht, losgekrault, schnappgeatmet, kehrtgemacht.
Und mit einem breiten Grinsen im kalten Gesicht und voller fröstelnder Lebendigkeit wieder ans sandige Ufer gestapft.
Wiewohl, hochintensives Schwimmtraining, eigentlich: 1 Intervall, maximale Anspannung, hypoxischer Trainingsreiz. Wer jedoch tatsächlich zu einer Open-Water Einheit im Bohinj Jezero loszieht, dem sei dringend ein Neopren ans Herz gelegt. Mein Orca jedoch, der war leider zuhause geblieben. Next time.

Wer dem Schwimmen nicht so zugetan ist – weitere Wassersportaktivitäten: Seekajak, Windsurfen (offenbar sorgt eine Brise doch tatsächlich für surfbare Bedingungen), Rudern. etc.
Und ja, auch hier kann – ganz gemütlich – eine Bootsfahrt gemacht werden.

Trailrunning um den Bohinjsko Jezero

Für jene, die lieber an Land bleiben: In drei Stunden lässt sich der See gemütlich per pedes umrunden. Aber wer will das schon, angesichts der Wandermöglichkeiten in den umliegenden Bergen. Anstatt die Seerunde im Wanderschritt zu absolvieren greift also man besser zum Laufschuh.

Die Empfehlung: Ein lockerer Lauf am Morgen. Am besten gegen den Uhrzeigersinn, um am sonnigen Ufer entlang laufen zu können. Nichts als die eigenen Schritte am Schotterweg zu hören, die Morgensonne im Gesicht und den Blick auf den ruhigen See.  Sans Mots.
Nach einer Seeumrundung hat man übrigens rund 20 km laufend zurück gelegt. Das Terrain ist leicht wellig, also für einen längeren Lauf im Flow prädestiniert.

Zahlreiche Outdoor-Aktivitäten…

die bei meinem nächsten Besuch auf der To-Do Liste stehen:

  • Seecrossing Bohinj Jezero (Neopflicht)
  • Fliegenfischen in der Savica: Den vielen Petri-Jüngern in Watstiefeln zufolge, ein richtig gutes Fliegenwasser – aber kein Geheimtipp mehr. Die Fische wissen also sicherlich auch Bescheid.
  • Ausgedehnte Wanderungen: Diesmal reichte es nur zu einem  kurzen Hike auf den kleinen Berg hinter den Quartier für einen Blick auf den See.  Der Aufstieg auf den 2.864 Meter hohen Namensgeberberg käme mir da in den Sinn. (Triglav Besteigung)
  • Und auch ein Besuch im Winter reizt mich sehr: Soll es sich doch ganz vorzüglich Langlaufen (70 km Loipen!) und gar ein wenig Snowboarden lassen.

Wo wohnen, wo speisen?

Unbedingt im Hotel Gasperin ein Zimmer buchen. Das kleine, von einem kanadisch-slowenischen Pärchen geführte, Hotel im winzigen und von Touristenschwärmen verschonten Örtchen Ribčev Laz, befindet sich nur 250 m vom Wocheiner See entfernt. Aus dem Zimmer quasi in den See stolpern. Weitere Pluspunkte:

  • Sagenhaftes Frühstücksbüffet mit immer neuen köstlichen und frisch zubereiteten süßen Überraschungen. Stichwort: Pallatschinken zum Frühstück! Auch Eiergerichte werden auf Wunsch frisch zubereitet. Große Käseauswahl…etc. Kurzum: Alles was Herz und Gaumen begehren.
  • Zimmer mit großem Balkon und grandiosem Blick auf die Berge.
  • Ausgesprochen fairer Preis.

Hotel Center: Klarerweise bietet es sich an, den vorab beäugten Fisch aus dem See im Restaurant neben dem Besucherzentrum verspeisen. Keine Sorge, auch Wurstfans – ja, natürlich steht auch die heftig umkämpfte Krainer Wurst auf den Speisekarten der Region – und VegetarierInnen werden fündig. Rustikales Ambiente in der Gaststube, handwerklich einwandfrei zubereitete, traditionelle Gerichte.

 Fazit: Angekommen im Outdoor-Mekka für ruhesuchende Süßwasserfreunde!

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4 Kommentare

  1. Hi inasabi! Ja, wenn ich mir die Bilder so ansehe, will ich auch gleich wieder hin. Aber vielleicht werd ich den Nationalpark ja in Bälde mit meinen Langlaufskiern besuchen. 🙂

  2. inasabi inasabi

    hm , zufällig auf das hier aufmerksam geworden und gleich lust bekommen… auf weg und hin und auf essen, sogar ein bisschen auf kochen! wow!

  3. Ich werde mich auch bald wieder aufmachen dorthin. Vielleicht nochmals im Spätsommer. Durch die Nähe auch für ein verlängertes Wochenende interessant. Sicher jedoch im Winter mit den Langlaufschiern im Gepäck.
    Wie immer beschämen die Deutschkenntnisse unserer Nachbarn. Wer spricht in Österreich schon Slowenisch, BKS, etc. … Auch Englisch allerorts.

  4. Sehr fein! Soooo gefällt mir das und wird gleich als Reiseziel auf der immer länger werdenden ToDo-Lebens-Liste notiert. 🙂 Englisch, Deutsch problemlos oder schaden Sprach-Kenntnisse in dieser Umgebung nicht?

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