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Ischgl Insights

Arlberg oder Ischgl. Vor dieser Wahl standen wir bei der Planung des winterlichen Schivergnügens. Zwei der größten und besten Schigebiete des Landes und bis dato noch unbesucht. Wer am schönen Arlberg urlauben will, muss entweder gleich nach der Ankunft mit Karl Schranz Sesselliftfahren um umgehend die Präsidentensuite zu erhalten oder recht frühentschlossen sein, um überhaupt irgendwo unterzukommen. Im September eine Unterkunft zu finden ist offensichtlich illusorisch. Obwohl, eigentlich nur wenn das Budget begrenzt ist. Wer denkt, in Ischgl sieht es da anders aus, der irrt. Und Sessellift-Koarl gibt’s da auch keinen. Alternativ aber im Samnaun weitere kleine Ortschaften und auch dort findet der gewillte Tirolreisende passende Liegestatt – auch unsere illustre vierköpfige Reisegruppe fand so schließlich Unterkunft im Heiligen Land. In den Weihnachtsferien über den Jahreswechsel. Super-Hauptsaison, also.

Unterkunft

Endstation Haus Soldanella in Mathon, so die Losung bei Abfahrt aus der frühlingswarmen Bundeshauptstadt. Nach umfangreicherer Internetrecherche war ich auf dieses Etablisment gestoßen und konnte gar zwei Doppelzimmer reservieren. In Mathon zu wohnen bedeutet: Das Qaurtier ist deutlich günstiger als direkt im Ort Ischgl. Fünf Minuten Anreise mit dem Schibus gesteuert vom rasenden 18-jährigen Führerscheinneuling. Aber „Kaunscht Traktor fohrn, kannst a de Piefke fiehrn.“ Eh klar.
Fazit Soldanella: Günstig. Moderne Zimmer mit neuem Bad. Ansprechendes Frühstücksbuffet ohne große Highlights. Schibushaltestelle quasi unmittelbar vor dem Haus. Langlauf-Loipe 300m entfernt. Die Gastgeber leider nicht sonderlich bemüht und ab und an recht ungehalten. Fünf Restaurants in unmittelbarer Nähe. Gleichsam ein Bankomat – die Giebelkreuzler haben natürlich auch im beschaulichen Dörfchen Mathon eine Filiale – und ein kleines Sportgeschäft mit Schiverleih. Summa summarum würde ich wohl wieder in Mathon nächtigen.

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Kulinarik: Restaurants, Hütten & Leckerlis

Als selbsternannter Gourmet und Meisterkoch fällt mein kulinarisches Resümee des Paznaun-Trips durchaus durchwachsen aus. Mathon ist keine kulinarische Hochburg, soviel vorweg. Ein kleiner Überblick:
Dorfstadl: Gute Pizza, kleines Salatbuffet, Holzinterieur und ein wenig Après-Schi-Charme. Basic.
Walserstube: Uriges Ambiente, kleine Stuben, viel Holz. Wenig Tische und damit wenig Platz. Traditionelle Gerichte zu gehobenen Preisen. Leider kann das Niveau der Speisen nicht mit den Preisen mithalten. Bei mir auf den Teller kamen die schmackhaft klingenden „drei Guaten“ – Spinatknödel, Käseknödel und Schlutzkrapfen. Wollte ich doch natürlich eine authentische, regionale Spezialität verspeisen. Leider ohne Finesse und Gespür abgeschmeckt und – Südenfall – die Knödel auch noch hart. Auch Fischgerichte und Käsespätzle konnten nicht überzeugen. Schade, hatte ich mich doch schon auf mehrere Besuche in der Walserstube gefreut.
Gasthof Glöckner: „In den Gasträumlichkeiten vermitteln Holz und eine Vielzahl von liebevollen Details die heimelige Wärme einer Tiroler Stube“, so heißt es auf der Webseite. Das stimmt. Zwar wird der Gasthof Glöckner als „Genussregion Österreich Genuss Wirt“ geführt, die Küche bleib aber leider auch hier farblos und wenig innovativ, handwerklich jedoch einwandfrei. Trotz diser Makel, wohl die erste Wahl beim mathonschen Menühopping.
Am Anreiseabend besuchten wir noch ein weiteres Restaurant, welches mir aber total entfallen ist. Wohl nicht ohne Grund.

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So viel zu Mathon, nun zu einem feinen Restaurant in Ischgl:
Salz und Pfeffer: Im Salz & Pfeffer im Herzen Ischgls haben wir schlauerweise bereits aus dem grauen Wien einen Tisch für das Silvester-Gelage reserviert. Zur Sicherheit. Am letzten Tag des Jahres stand nochmal ein 5-gängies Silverstermenü am Speiseplan. Regulär lässt sich dort auch gut Pizza speisen. Leider nicht aus dem Holzofen.
Generell: Sehr hohes Koch-Niveau. Aufmerksame und gleichzeitig angenehm zurückhaltende KellenerInnen. Passable Weinkarte. Modern, warmes Ambiente. Angemessene Preise. Fazit: Empfehlenswert.

Hüttenempfehlungen: 1. Grillhendlhütte – signature dish essen, klar. 2. Panorama-Restaurant am Sattel – gute Küche, riesige Auswahl.
Geheimtipp: Bodenalp – windgeschützt und sonnenverwöhnt. Gute Suppen, traditionelle Gerichte und regionale Spezialitäten. Weniger Leute und keine Hüttengaudi-Musikbeschallung.
Neben der Bodenalp gibt’s für alle Freunde des hochkalorigen Backwerks noch einen weiteren zweck- und blutzuckerspiegeldienlichen Hinweis. Dazu später mehr.

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Schigebiet: Do wor i nu nit

Riesig. Länderübergreifend. Eindrucksvolle Panoramen. Über der Baumgrenze. Pisten aller Schwierigkeitsgrade, wobei die Pisten auf der österreichischen Seite steiler ausfallen und auf Grund der Schattenlage auch deutlich weniger befahren werden. Bei guter Schneelage ein Traum für Backcountry-Enthusiasten. Leider war uns Frau Holle diesmal nicht hold. Mausbauchhoch, die Schneehöhe auf den Pisten am Nachmittag. Und obwohl sich die große Zahl an SchifahrerInnen im ebenso großen Pistennetz verläuft, waren die Pisten gegen Ende des Schitages schon in recht üblem Zustand. Die letzte Talabfahrt das Tages demnach selten zum Zungenschnalzen.
Außergewöhnlich: Das schweizerische Samnaun kann mit Schi und Board durchfahren werden. Duty Free Run nennt sich der Spaß – Schi-Shopping deluxe. Zwar mach die wunderschöne Abfahrt nach Samnaun weit mehr Freude als die eher mühsame Durchfahrt, den Run zumindest einmal zu fahren ist dennoch empfehlenswert. Tipp für Foodies: Im Bergdorf Samnaun gibt es abseits der Hauptstraße mit den dutzenden Shop eine kleine Bäckerei mit echt schweizerischem Köstlichkeiten. Bei der netten jungen Verkäuferin der Konditorei Rechsteiner hat sich der Autor umgehend mit Nusstorte und Samnauner Züngli eingedeckt. Beides dermaßen wohlschmeckend, dass wohl niemals eine realistische Chance bestand, als Mitbringsel zu enden. Sozialere Ischgl-BesucherInnen finden bei Rechsteiners aber jedenfalls sinnvolle Präsente für die bemitleidenswerten Daheimgebliebenen.

Langlaufen im Paznaun

Beinahe das gesamte Paznaun lässt sich per Langlaufschi ablaufen. Die Loipe – geeignet für skating und klassich – verläuft in der Talsohle und durch die Ortschaften. Die Langlaufloipen sind vorzüglich prepariert und für alle Fitnessniveaus geeignet. Die Loipe verläuft selten länger steil bergauf. Sanfte Steigungen und Gefälle steht für die Nordischen am Programm: Zum Talausgang gehts stetig dezent bergab. Aus Mathon nach Ischgl demnach auf – gut zum Einlaufen. Am Rückweg wirds dann dementsprechend anstregender. Ich habe die Loipen jeweils nach einem Snowboardtag zum Auslaufen und zur alternativen Ganzkörperbewegung genutzt. In rund 45-minütigen Einheiten durften meine Skier heuer erstmals ins kalte Geläuf. Bei Temperaturen um minus 10 Grad war an längeres Laufen sowieso nicht zu denken.

Kurzum: Alles in Allem ist Ischgl eine Snowboardkantenbreite vor Sölden das bisher beste Schigebiet, in dem ich bislang boardend Spaß haben durfte. Und im nächsten Jahr, da geht’s dann auf den Arlberg. Koarl wärm schon mal den Sessellift vor.

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Appendix: Neues Snowboard
Ich war mit neuem Brett in Ischgl. Kurz vor der Abreise hab ich noch ein Legends von Goodboards erstanden. Das Board zeichnet eine wunderschöne Holzoptik – Topsheet aus Rotkern-Esche – aus. Limitierte Edition. Schön steif. Guter Kantengrip. Hohe Laufruhe. Breit genug für Füße Größe 46. Die optimale Einstellung habe ich nach einer Woche am Brett noch nicht ganz gefunden. Vielleicht bald mehr zu diesem Thema.

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