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Zen-Schwimmen

Zugegeben, in diesem Winter war ich schwimmtechnisch faul. Zu faul. Hauptschuldig: die Im-Weg-RumschwimmerInnen. Tatsächlich war das örtliche Hallenbad – besser, die Hallenbäder – bei jedem meiner Besuche dermaßen bis an den Beckenrand mit Menschensuppe gefüllt, dass an passables Schwimmtraining nicht zu denken war. Slalomgeschwimme, bestenfalls.

Da ich auf dieses aber selten Lust hatte, blieb die Badehose zu oft im Schwimmbeutel und das Schwimmtraining auf der Strecke. Aber jetzt wird alles anders. Am 1. Mai öffnen nämlich in der Bundeshauptstadt die Freibäder. Die Suppe verteilt sich dann zumindest auf mehrere Becken. Resultat: Freiraum für Superschwimmer. Zudem will ich sobald möglich, das ungechlorte Freiwasser aufsuchen: Seeschlacht, Alte Donau, Gänsehäufl und Naturbadeteich Hirschstetten zum Beispiel. Outdoor-Schwimmen im Sonnenschein, statt Kachelzählen im Hallenbad.

Techniktraining!

Nach der langen Schwimm-Abstinenz steht vor allem eines auf dem Programm: Techniktraining.
In Ruhe wieder dort anknüpfen, wo ich mal war. Schwimmen kann sich nämlich sehr gut anfühlen, wenn alles passt. Ganz schnell aber auch wie Strampeln in zähflüssiger Puddingmasse. Man kämpft und kämpft und schlägt wild um sich, ohne bemerkbaren Raumgewinn zu erziehlen. Depremierend. Man versuchts mit noch mehr Kraft und Einsatz. Erfolglos natürlich.

Schuld ist die falsche Einstellung. Umso härter man im Wasser arbeitet, desto langsamer wird man. Energie wird unnötig verschwedet.  Warum? Der Wasserwiderstand ist schuld. Und der ist doch ein bisschen größer als jener der Luft, z.B. beim Radfahren. Mehr Krafteinsatz führt also zu mehr Widerstand. Härteres Schwimmen bringt also nix. Die Lösung: Schwimmen im Zen-Zustand.

Drei Weisheiten für mehr Spaß beim Schwimmen

Hier drei einfache Prinzipien, damit Schwimmen leicht von der Hand und die Motivation nicht untergeht:

  1. Effizienz trainieren.  Das Credo: Widerstand reduzieren, anstatt den Krafteinsatz zu erhöhen. Bewegung langsam ausführen, statt kolibrifrequenter Überlebenskampf.  Generell: Weniger machen, statt mehr.
  2. Nicht verkrampfen, nicht kämpfen. Mit dem Wasser arbeiten, nicht dagegen. Das Wasser ist dein Freund.  Wichtig: Fühl dich wohl beim Schwimmen.
  3. Nutze den Verstand, nicht die Muskeln. Mit voller Aufmerksamkeit trainieren, anstatt sich unbedacht Auszupowern. Neue Verbindungen im Gehirn schaffen und Bewegungsabläufe schneller lernen und optimieren.

Schwimmen im Putzi LakeIn Harmonie mit der feindseligen Umgebung, ungeteilter Aufmerksamkeit und mit Leichtigkeit und Freude trainieren. Wer zur richtigen Einstellung auch noch eine passende Methode zum Technikerwerb sucht, der wird mit Total Immersion glücklich werden. Für mich war das Buch Total Immersion: The Revolutionary Way To Swim Better, Faster, and Easier von Terry Laughlin ein absoluter Augenöffner.

Schwimmen unter freiem Himmel

Den genannten Prinzipien folgend, werde ich mindestens 50 %  meiner wöchentlichen Schwimmeinheiten als besonnenes Techniktraining genießen. Um diesen Maximen auch folgen zu können heißt das 25m Sets, bzw. im Freiwasser lediglich ein paar Züge, zu schwimmen. Länger kann Fischmensch sich nicht effektiv auf die Technik konzentrieren.

Wenn die Einheit unter freiem Himmel stattfinden kann – Temperaturanstieg bald bitte – umso besser. Am Besten geht’s natürlich in entlegenen Seen im absoluten Outback British Columbias: Am Foto oben wage ich mich gerade ins eher sehr frische Nass des Puntzi Lake – nebenbei einer meiner Lieblingsplätze auf diesem Erdrund. Unbedingt im großartigen Kokanee Bay Fishing Resort sein Zelt aufschlagen. Waterfront, selbstverständlich.

Fazit: Der Widerstand kann kommen. Zen-Schwimmen deluxe.

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Ein Kommentar

  1. „Ganz schnell aber auch wie Strampeln in zähflüssiger Puddingmasse. Man kämpft und kämpft und schlägt wild um sich, ohne bemerkbaren Raumgewinn zu erzielen.“

    Immer!!! Schwimmen ist wie ein Fisch am Land, bei mir halt umgekehrt… entweder man schluckt Haare vom Schwimmnachbar, hat eine Algen-Lungen-Magenvergiftung, Plastiksackerl um die Füße verwickelt oder ertrinkt hilflos in den Tiefen des Neusiedlersee, weil man sich an einem versunkenen Tretboot verfangen hat. Oder man kommt gar nicht mit dem Wasser in Berührung, weil der Sonnenöl-Film so dicht ist, dass man danach sowieso völlig verklebt von einer Hilfsorganisation gerettet und langwierig mit Schutzkleidung entölt werden muss.
    Ich such mal meine Zen-Luftmatratze zum Zen-Treiben….

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